Kremsmüller bleibt in Schwechat. Industrieanlagen-Spezialist zahlt Gläubigern 25-Prozent-Quote. Nachwuchsförderung stark im Fokus.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 31. Oktober 2020 (03:45)
Schwechat ist und bleibt eine wichtige Niederlassung für Kremsmüller.
Gerald Burggraf

Nach nur vier Monaten ist der Spuk schon wieder vorbei. Die im Juni eröffneten Insolvenzverfahren in der Kremsmüller-Gruppe wurden mit dem Gläubigerausschuss vor wenigen Tagen abgeschlossen. Die Gläubiger stimmten einer 25-Prozent-Quote zu, der Fortbestand der oberösterreichischen Firma ist damit gesichert. Und damit auch der für das Ostösterreich-Geschäft wichtige Standort in Schwechat.

Nach einem finanziell aus dem Ruder gelaufenen Großauftrag für Wien Energie musste das Teilunternehmen „Kremsmüller Industrieanlagenbau KG“ Konkurs anmelden. Kurz darauf folgte die Schwesternfirma „Kremsmüller Industrieservice KG“, da rund 95 Prozent der Belegschaft als Leiharbeiter bei der Industrieanlagenbau KG beschäftigt sind. In beiden Fällen war eine Sanierung von Anfang an geplant.

In Summe meldeten die Gläubiger beider Unternehmen rund 83,8 Millionen Euro an Forderungen an – alleine 75 Millionen Euro bei der Industrieanlagenbau. Davon zahlt Kremsmüller nun 25 Prozent zurück. Für Eigentümer Gregor Kremsmüller ist es eine „zufriedenstellende Lösung für alle“. Er betont im NÖN-Gespräch zudem, dass bei den Gläubigern der Erhalt der Arbeitsplätze eine große Rolle gespielt hätte.

Viele Partnerfirmen zogen Aufträge vor, um Kremsmüller zu helfen. Andere warteten auf das Ende des Sanierungsverfahrens – „oftmals wegen Konzernregeln, die keine Aufträge an Sanierungsfirmen zulassen“, weiß Kremsmüller. Man werde jetzt wieder an Vergaben teilnehmen und sei guter Dinge, neue Aufträge an Land zu ziehen.

In der Krise habe sich zudem gezeigt, dass Kremsmüller ein „People-Unternehmen“ sei, betont der Inhaber. „Wer die richtigen Mitarbeiter hat, dem gehört die Zukunft“, ist er überzeugt. Die Fachkompetenz vor Ort zähle bei den Kunden, gerade bei der Wartung von komplexen Industrieanlagen.

Fünf neue Lehrlinge am Standort Schwechat

Noch während der Sanierung habe man deshalb konzernweit sieben Lehrlinge aufgenommen, fünf davon in Schwechat in den Berufen Metalltechnik und Elektrotechnik. „Die Nachwuchsförderung wird ganz stark in den Mittelpunkt rücken“, hält Kremsmüller fest. In der Braustadt beschäftigt die Gruppe rund 430 Mitarbeiter, die durch Instandhaltungsverträge etwa bei OMV oder Borealis sowie Projekte abgesichert sind.