Traiskirchen: Löwen-Geister von 2003. Seit 38 Jahren ist Traiskirchen in Österreichs Top-Liga. Vor 18 Jahren sprangen die Löwen erst in letzter Minute von der Abstiegskante. Jetzt stehen sie erneut am Scheideweg.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 12. Mai 2021 (01:13)
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Seit 1983, also seit 38 Jahren, sind die Traiskirchen Lions – bis 1999 UKJ Möllersdorf – ununterbrochen in der höchsten heimischen Spielklasse. Länger ist nur der NÖ-Rivale aus Klosterneuburg dabei. Eine Superliga ohne Traiskirchen? Angesichts dieser Zahlen fast unvorstellbar. Trotz allem könnte es bald Realität sein, dann nämlich wenn die Lions in den beiden Relegationsspielen (Donnerstag, 17.30 Uhr in Fürstenfeld und Sonntag, 17.30 Uhr in Traiskirchen) gegen Fürstenfeld den Kürzeren ziehen. Es wäre eine historische Blamage. Mit dieser möchte keiner in Verbindung gebracht werden, nicht die Spieler, nicht die Trainer und nicht der Obmann. Der historischen Bedeutung ist sich Vereinsboss Ernst Nemeth durchaus bewusst: „Aber wir konzentrieren uns auf das Sportliche, wir werden uns bemühen, dass wir was zusammenbringen.“

Als der Ball am Ring tanzte

So knapp wie heuer war der Kampf gegen den Abstieg für die Lions jedenfalls schon lange nicht mehr. Eigentlich nur ein einziges Mal, nämlich 2003. Drei Jahre nach dem einzigen Double der Vereinsgeschichte und zwei Jahre nach dem letzten Cup-Titel titulierte so mancher Traiskirchen drei Runden vor Schluss bereits als Fixabsteiger.

Nach zwei Siegen gab es am finalen Spieltag aber noch ein Spiel der letzten Chance. Das Match gegen Oberwart wippte hin und her. 107:104 führten die Lions, als ein Wurf der Südburgenländer am Ring tanzte, schlussendlich nicht den Weg ins Netz fand – Traiskirchen blieb oben, UBSC Graz musste runter. Eine Nervenschlacht dieser Dimension würde sich Nemeth heuer gerne ersparen: „Ein guter Start in Fürstenfeld wäre ideal. Wir wollen dort gleich ein Zeichen setzen. In der Heimhalle werden wir uns leichter tun“, blickt Nemeth voraus: „Der Druck ist natürlich geringer, wenn wir auswärts mithalten oder sogar gewinnen, als wenn wir daheim 10 oder 15 Punkte aufholen müssen.“

Nervenschonend zum sportlichen Klassenerhalt wäre die Wunschvorstellung der Traiskirchner, die aber wohl nicht als Favorit in die Relegation gehen. Luka Gvozden und der Langzeitverletzte Adam Thoseby werden definitiv fehlen. Luka Kamber, Filip Kukic und Maximilian Schuecker (Fußverletzung) sind fraglich. Die Löwen müssen also stark ersatzgeschwächt um den Klassenerhalt kämpfen und auch das Selbstvertrauen ist nach vier Siegen aus 29 Pflichtspielen in der heurigen Saison überschaubar.

Auch die Panthers hatten zuletzt mit einem Rückschlag zu kämpfen. Die Steirer lagen im entscheidenden Finalspiele der 2. Liga schon mit 75:65 vorne, verloren dann gegen Güssing/Jennersdorf noch mit 78:79. Aber zumindest Center David Akibo ist nach einer Verletzungspause wieder retour. Ihn machte laut Nemeth das Um und Auf bei den Fürstenfeldern aus. „Seine Statistiken sind schon beeindruckend“, meint der Lions-Chef angesichts von 19 Punkten und acht Rebounds pro Partie des 2,01 Meter großen Briten. Ihn müssen die Traiskirchner in den Griff bekommen und dann muss noch die eigene Wurfquote passen. Dann ist der sportliche Ligaverbleib möglich, ist Nemeth überzeugt. Doch was passiert, wenn der nicht gelingt? „Dann werden wir uns auch nicht umbringen“, meint Nemeth trocken.

Keine Unterstützung der verstimmten Fans

Aktuell ist der Obmann auch noch recht entspannt, das wird sich spätestens beim Rückspiel im Lions Dome ändern, am Ende würde er gerne jene Emotionen haben, die die Lions bei der Last-Minute-Rettung 2003 durchlebten. Eines wird aber ganz sicher anders sein, als vor 18 Jahren. Denn die Fans auf der Tribüne werden fehlen.

„In Traiskirchen sind die Fans immer ein zusätzlicher Mann. Schade, dass es sich jetzt gerade nicht ausgeht.“ Dürfen die Zuschauer erst wieder am 19. Mai in die Halle. Dass die Unterstützung gekommen wäre, davon ist Nemeth überzeugt, auch wenn viele im Löwen-Anhang derzeit verstimmt sind: „Die Stimmung ist sehr kritisch“, weiß Nemeth: „200 wären schon gekommen, mehr wären ohnehin nicht gegangen.“ Mit dem sportlichen Klassenerhalt könnten die Löwen die Fans vielleicht versöhnen. Danach gilt es noch die Lizenzentscheidung abzuwarten. Die kann für Traiskirchen zur zusätzlichen Chance werden, wenn die Timberwolves oder Fürstenfeld durchfallen, aber auch zum Damoklesschwert.