Stefan Fegerl: „Wenn ich spiele, dann gscheit“. Nervenleiden zwingt Stefan Fegerl zu längerer Pause. Er verließ deshalb Bergneustadt, neuen Klub hat er nicht.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 31. März 2021 (03:25)
Stefan Fegerl Symbolbild Tischtennis
Stefan Fegerl
Tobias Höfinger

Das kam dann doch reichlich überraschend. Nach nur einer Saison kehrt Stefan Fegerl, wie NÖN.at berichtete, dem deutschen Bundesligisten TTC Bergneustadt wieder den Rücken zu.

Grund dafür ist die Unterarmverletzung des Unterlembachers, die ihn schon seit Anfang des Jahres praktisch außer Gefecht setzt. „Ich weiß nicht genau, wie es damit weitergeht, wie lange ich noch pausieren muss. Daher habe ich gleich das Gespräch mit dem Verein gesucht, mit offenen Karten gespielt“, erklärt Fegerl. Mit dem Ergebnis, dass er den Vertrag mit dem nordrhein-westfälischen Klub nicht verlängert.

Behandlung wirkte nicht, Arzt-Gespräch soll Klarheit bringen. „Ich will nicht sagen, es wird schon gehen, und dann falle ich vielleicht doch länger aus“, stellt Fegerl klar. Denn die Verletzung macht dem 32-Jährigen noch immer zu schaffen. Auf die Behandlungen der letzten drei Wochen sprach der Unterarm nicht wie erwartet an. „Es ist doch eine reine Nervengeschichte, nicht wie erst vermutet etwas mit dem Muskel. Daher hat die Behandlung nicht wirklich etwas gebracht“, erklärt er. „Wir müssen weiterschauen.“
Die nächsten Schritte sollen am Mittwoch in einem Arzt-Gespräch abgeklärt werden. „Dort bekomme ich auch eine Cortison-Spritze in den Nerv“, schildert Fegerl. „Wenn das klappt, dann entscheiden wir weiter.“ Auch eine Operation liegt im Bereich des Möglichen. Vorteil sei, dass die Verletzung relativ früh erkannt worden sei. „Daher dürfte sich das jetzt noch gut behandeln lassen. Ich bin guter Dinge, dass ich für Olympia wieder fit bin.“

Olympia in Gefahr? Das große Saison-Highlight in Tokio soll mit einjähriger Verspätung wegen der Corona-Pandemie von 23. Juli bis 8. August über die Bühne gehen. Fegerl wäre mit Sofia Polcanova im Mixed-Doppel qualifiziert die beiden gelten eigentlich als Medaillenhoffnung. Zuletzt musste sich aber auch Polcanova einer Knie-OP unterziehen – im Vorjahr wurde sie an der Hüfte operiert. „Dass ich dort teilnehmen kann, ist natürlich das große Ziel“, sagt Fegerl. „Ich mache mir da aber noch keinen Stress, will mir die Zeit geben, die Verletzung ordentlich auszukurieren. Das musste ich in den vergangenen zehn bis 15 Jahren ohnehin noch nie.“

Bundesliga in Österreich noch kein Thema

So ist auch die Rückkehr nach Österreich, von der TTC Bergneustadt in einer Aussendung schrieb, zu verstehen. „Ich will mich jetzt zuhause um die Verletzung kümmern, mir die Zeit nehmen, die ich brauche“, erklärt Fegerl, der auch in Erwägung zieht, nach einer Olympia-Teilnahme nochmals zu pausieren. „Wenn es notwendig ist, werde ich es machen. Darum will ich mich vorerst keinem neuen Klub anschließen.“ Eine sportliche Rückkehr in die österreichische Bundesliga zum Ausklang seiner Karriere habe er zurzeit aber noch nicht auf dem Plan, beteuert er.

Zwei Angebote in Deutschland ausgeschlagen

Kein Wunder, herrscht doch in der Deutschen Bundesliga noch immer ein Griss um den Unterlembacher. „Als durchgesickert ist, dass ich Bergneustadt verlassen werde, sind gleich zwei Klubs an mich herangetreten“, erzählt Fegerl. „Ich bin aber auf kein Angebot eingegangen, habe den Vereinen meine Situation erklärt, gesagt, dass ich jetzt keine falschen Versprechungen abgeben will. Wenn ich spiele, dann will ich gscheit spielen, nicht irgendwo mitschwimmen.“ Einem Verein anschließen will sich der 32-Jährige erst, wenn er wieder fit ist. „Ein Vorteil ist da, dass ich auch zur Halbsaison im Jänner einsteigen könnte.“

Eben im Jänner dieses Jahres begannen die Beschwerden in Fegerls Unterarm. Nach der sensationellen Hinrunde, die Bergneustadt auf Rang zwei brachte, lief ab Ende Jänner nur mehr wenig zusammen, Fegerl musste auch irgendwann w.o. geben, stand bei den letzten Partien schon nicht mehr im Kader. „Ich konnte nicht so spielen, wie ich wollte, hatte kein gutes Ballgefühl bei der Rückhand, ein Taubheitsgefühl“, erklärte er bereits vor einigen Wochen im NÖN-Gespräch. „Ich konnte nicht abschätzen, wo der Ball hingeht, habe auch mal 30 Zentimeter danebengehaut. Das ist in einer Sportart wie Tischtennis, bei der es um Millimeter geht, natürlich fatal.“

Saison-Bilanz trotzdem positiv

Die Saison beurteilt Fegerl dennoch positiv – auch wenn‘s mit dem Ziel Play-offs letztlich nichts geworden ist, Bergneustadt nach einem 3:2-Sieg im letzten Spiel gegen Ochsenhausen ohne Fegerl nur noch auf den siebenten Rang nach vor kam. „Wir waren im Cup in den Final Four, haben Saarbrücken und Bremen rausgehaut. Am Ende hat auch in der Bundesliga nicht viel auf die Play-offs gefehlt“, betont er. „Wenn Alvaro (Robles; Anm.) und ich im Doppel gegen Grünwettersbach die sieben Matchbälle nicht vergeben hätten, dann gegen Bad Königshofen nochmal drei, wäre sich das ausgegangen.“ Nachsatz: „Ohne die Verletzung wäre die Saison unglaublich geworden. Aber so ist eben der Sport…“