Kein Druck für Fischer in Tokio. Rohrendorferin ist in Tokio ohne Medaillenchancen, will sich aber gut verkaufen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 28. Juli 2021 (02:56)

Es ist 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit, als Ewald Fischer anruft. In Tokio ist es bereits 23 Uhr, Tochter Sarah liegt nach einem intensiven Tag mit vielen Eindrücken schon im Bett. Die NÖN muss im Telefonat also mit dem Vater und Trainer der Gewichtheberin vorliebnehmen. Die 20-Jährige beantwortet unsere Fragen am folgenden Tag schriftlich.

Die Familie Fischer hat, was Fernreisen und Großveranstaltungen betrifft, durchaus Routine. Thailand oder Usbekistan sind nur zwei der vielen Destinationen, die schon am Reiseplan standen. Die Olympischen Spiele in Tokio sprengen jedoch alle Dimensionen von Europa- und Weltmeisterschaften, die die Fischers bisher erleben durften.

Das Feeling ist gewaltig, so viele großartige Sportler zu sehen und auch Österreichs Spitzensportler hautnah zu treffen, ist gigantisch“, schreibt Sarah, die bereits auf Tuchfühlung mit einem der Superstars des Turniers ging. Die 20-Jährige traf mit Papa Ewald, der großer Tennisfan ist, auf Novak Djokovic. Was Gesprächsthema war, wollte Sarah nicht preisgeben, Ewald verriet aber, dass sich „der Djoker wahnsinnig gefreut hat, dass Sarah ein bisschen Serbisch mit ihm sprechen konnte.“

„Wir nehmen es sportlich ernst, aber ich setze Sarah nicht unter Druck. Sie soll einen geilen Wettkampf machen.“ Ewald Fischer

Es sind diese Erfahrungen, die das Fischer-Zweiergespann angesichts fehlender Medaillenchancen aufsaugen will. Fischer startet in der Klasse über 87 Kilo, dem Superschwergewicht, ging in der Vergangenheit aber vorwiegend in der Klasse bis 87 Kilo an den Start, für die sie sich nicht qualifizieren konnte. Sie steigt am Montag, 12.50 Uhr österreichischer Zeit, als eine der leichtesten Sportlerinnen auf die Wettkampfbühne.

Zur besseren Einordnung der Kräfteverhältnisse empfiehlt sich auch ein Blick auf die genannten Zweikampfleistungen der Teilnehmerin. Goldfavoritin Li Wenwen aus China hat eine Bestleistung von über 330 Kilo stehen, Sarah Fischers persönlicher Rekord steht bei 234 Kilo. „Die ersten sieben sind außer Reichweite“, weiß Papa Ewald, der einen Platz unter den Top 10 als Ziel ausgibt.

„Wir nehmen es sportlich ernst, aber ich setze Sarah nicht unter Druck. Sie soll einen geilen Wettkampf machen“ Ewald Steiner

14 Sportlerinnen aus 14 Nationen sind am Start. Mit einer Zweikampfleistung zwischen 225 bis 227 Kilo wäre das Vater-Tochter-Gespann zufrieden. In der Vorbereitung auf den Bewerb läuft es diesmal etwas anders: „Wir nehmen es sportlich ernst, aber ich setze Sarah nicht unter Druck. Sie soll einen geilen Wettkampf machen“, sagt Ewald.

Um überhaupt in Tokio dabei sein zu dürfen, musste Sarah Fischer etlichen Widrigkeiten trotzen. Sie verpasste die Qualifikation auf direktem Wege und rückte nur dank eines Startverzichts ins Aufgebot nach. Anfang Juli infizierte sich die 20-Jährige dann mit dem Coronavirus und musste anschließend einen wahren Test-Marathon absolvieren, der sie schließlich doch noch rechtzeitig vor dem Abflug aus der Quarantäne befreite.

Wie es ihr körperlich geht?

„Gut, es gibt keine Nachwirkungen“, teilt die ehrgeizige Rohrendorferin mit. Sie sei durch „Himmel und Hölle“ gegangen und begreife „schön langsam“, was sie da geschafft habe. Nämlich: als erste österreichische Gewichtheberin an den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen.

Völlig abgeschottet im olympischen Dorf

Bis zum Wettkampf am Montag stehen nun noch einige Trainingseinheiten und Regeneration für Fischer auf dem Programm. Die Möglichkeiten sind „ein Wahnsinn, eigentlich überhaupt nicht zu vergleichen mit einer WM oder EM“, erzählt Ewald. Auch im olympischen Dorf fehle es an nichts, das Essen sei top. Dass man als Sportler völlig abgeschottet ist – das Dorf darf nur für Trainingseinheiten und Wettkämpfe verlassen werden – und es eine eigene App gibt, die die Bewegungen der Olympiateilnehmer überwacht, sei keine Belastung. „Wir sind ja auch nicht zum Sightseeing da!“, sagt Ewald.