Gehen statt Laufen. Sportwandern / Auch wenn Thomas Steinacher aufgrund eines Unfalls keinen Marathon mehr laufen kann, geht er ihn zumindest.

Von Romeo Felsenreich. Erstellt am 04. Februar 2014 (23:59)
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Von Romeo Felsenreich

In seiner Jugend war Thomas Steinacher beim Nachwuchs der Austria Wien. Der große Durchbruch gelang dem gebürtigen Wiener aber nie. Dass es später nicht einmal mehr für den Amateurfußball reichte, war nicht auf sein fehlendes Talent zurückzuführen, sondern vielmehr auf einen folgenschweren Motorradunfall. Steinacher ist nun zu 50 Prozent invalide und an Fußballspielen war für ihn nicht mehr zu denken. Selbst seine zweite große Leidenschaft, das Laufen, war kaum noch möglich. „Das war schon ziemlich frustrierend“, erzählt Steinacher zurückblickend.

Erst durch seine Kinder fand Steinacher den Weg zum Sportwandern. „Wenn ich schon keinen Marathon laufen kann, will ich ihn zumindest gehen“, dachte sich Steinacher damals. In seinem ersten Jahr ging er acht Sportwanderungen. 2010 kürte er sich erstmals zum österreichischen Staatsmeister im Sportwandern. 2013 wiederholte er den Titel. Dafür legte er 88 Wanderungen zurück, welche zumindest eine Länge von 40 Kilometern haben müssen.

Nun zieht es Steinacher auf die höchsten Berge

Die Szene in Österreich ist eher klein und beschaulich. „Es gibt etwa 300 Personen, die diesen Sport betreiben“, erzählt der Rohrbacher. Die Wanderungen gehen dabei von ebenen Strecken, wie zum Beispiel einmal um den Neusiedlersee, bis zu anspruchsvollen Wanderungen über Gebirge. Steinacher: „Bei einer der schwersten Wanderungen muss man 52 Kilometer und 2.300 Höhenmeter zurücklegen.“ Aber auch die Wanderung von Amstetten nach Mariazell mit einer Wegzeit von 17 Stunden hat es in sich. „Im Jahr verbrauche ich in etwa sechs bis acht Schuhe - und nicht, weil sie eine so schlechte Qualität haben“, scherzt Steinacher.

Seine Zukunftspläne ziehen Steinacher nun wieder ins Ausland. „Nachdem ich vor zwei Jahren auf den Kilimanjaro gegangen bin, möchte ich dieses Jahr auf den Elburs, den höchsten Berg Europas gehen.“ Ein weiteres Ziel von Steinacher ist der Pik Lenin in Kirgisistan. „Der ist 7.136 Meter hoch“ schwärmt Steinacher.


Thomas Steinacher gewann zum zweiten Mal die österreichische Meisterschaft im Sportwandern.

  • Geburtstag: 28. Jänner 1970.
  • Wohnort: Rohrbach an der Gölsen.
  • Familienstand: Verheiratet mit Ingrid (2 Kinder).
  • Arbeitgeber: Österreichische Bundesbahnen in St. Pölten.
  • Größte Erfolge: Österreichischer Meister im Sportwandern (2010 und 2013). Besteigung des Kilimanjaro (Afrika).
  • Ziele: Besteigung des Elburs (Russland) sowie des Pik Lenin (Kirgisien).