Thomas Schaffer im NFL-Draft: Welches Team wird's?. Von Mödling in die NFL: Das könnte der Werdegang von Thomas Schaffer sein – einzig ein Team muss ihn noch auswählen.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 27. Januar 2021 (03:11)
Wollen der NFL Zunge und Muskel zeigen. Thomas Schaffer (l.) mit Stanford-Kollegen Thomas Booker.
privat

Er ist ein eingefleischter Fan der Green Bay Packers, doch nun sucht Thomas Schaffer ein neues Lieblingsteam in der NFL. Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Packers am Sonntag knapp den Tampa Bay Buccaneeres unterlagen und damit den Einzug in die Super Bowl verpassten. Schaffer meldete sich nach fünf Saisonen bei College-Team Stanford für den NFL-Draft an. Was das heißt? Die 32 NFL-Teams können in einem Auswahlverfahren Talente verpflichten. In sieben Runden werden insgesamt etwas mehr als 250 Spieler berücksichtigt. Der Draft findet heuer zwischen 29. April und 1. Mai statt.

Dass Schaffer von „seinen“ Green Bay Packers verpflichtet wird, hofft er nicht. Denn als Defensiv End gehört er zu den schweren Jungs (135 Kilogramm). Seine Aufgabe ist vereinfacht gesagt, die gegnerischen Offensivspieler zu tackeln, also von den Beinen zu holen und damit den Spielzug zu beenden. In diesem Bereich sind die Packers vergleichsweise gut aufgestellt. „Ich hoffe auf ein Team mit einer etwas schwächeren Defensive-Line, etwa die Pittsburgh Steelers, die Oakland Raiders oder die Philadelphia Eagles. Egal welches Team mich draftet. Das wird mein neues Lieblingsteam“, grinst Schaffer.

Damit könnte eine Ära zu Ende gehen. Bereits als er bei den Mödling Rangers erste Berührungspunkte mit Football hatte, wurde er zum Packers-Fan. Die Männer aus Green Bay blieben seine Vorbilder, als er im Teenager-Alter in die Staaten ging, in Kalifornien für Lake Forest Highschool-Football spielte und auch als er vor fünf Jahren nach Standford wechselte.

Der Durchbruch im letzten College-Jahr

Nun ist der Traum von der eigenen Karriere aber größer als die Liebe zu den Packers. Schaffers Traum ist aktuell realistischer, als er zwischenzeitlich schon war. Erst in seinem letzten Jahr in Stanford wurde der 24-Jährige zum Starter. „Es war am Anfang nicht leicht, das Akademische und das Sportliche auszubalancieren“, gesteht Schaffer: „Beim Football ist am College alles schneller und besser als in der High School. Ich habe jetzt diesen Level erreicht, dass ich nicht mehr nachdenken muss. Das brauchst du in der NFL, dort hast du keine Zeit zu denken“, schildert Schaffer.

Dass er erst in der abgelaufenen Saison so richtig durchstartete, könnte zum Nachteil werden, glaubt Österreichs Verbandspräsident und Puls4-Footballexperte Michael Eschlböck: „Die Teams sehen gerne Kontinuität und wie sich die Spieler entwickeln. Das fehlt ihm ein bisschen.“ Eschlböck prognostiziert einen Draft in einer der späteren Runde, oder eine Chance als „undrafted Free Agent“. Dabei handelt sich um einen Spieler, der beim Auswahlverfahren nicht berücksichtigt wurde, aber als vereinsloser Spieler eine zweite Möglichkeit bekommt. „Der Draft an sich heißt noch nichts. Es geht darum, sich in den Trainingscamps der Teams gegen 20 andere Leute auf einer Position zu beweisen“, erklärt Eschlböck, der Schaffer für den Draft dennoch die Daumen drückt: „Er wäre der erste Österreicher, der gedraftet wird. Es wäre wieder ein kleiner Meilenstein.“

Schaffer schätzt die Chancen, im Draftprozess entdeckt zu werden, als durchaus realistisch ein. Sorgen für die Zukunft braucht er sich wohl keine machen, immerhin hätte er noch Bachelor- und Master-Abschluss aus Stanford in der Hinterhand.