Teamsport appelliert: "Brauchen Planungssicherheit". Elf Fachverbände bilden „Lobby-Allianz“ und plädieren für Trainingsstart im März.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 27. Januar 2021 (05:10)
„Gemeinsam für Nachwuchstraining mit Schulstart kämpfen“: ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer.
APA/expa/JFK

Erst ein Jahr ist‘s her: Mehr als 2.000 Fußballteams von der U7 bis zur Bundesliga scharrten in den Startlöchern, trainierten und testeten für den anstehenden Meisterschaftsstart. Corona und die daraus resultierenden Einschränkungen machen alles anders. Nur ein Dutzend NÖ-Teams kann sich – dank der Spitzensportausnahme – im Moment über „Sportbusiness as usual“ freuen. Der Amateurbereich hängt in der Luft. „Aber die Vereine brauchen so etwas wie Planungssicherheit, gerade im Nachwuchs“, sagt ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer. Gekoppelt an die Schulöffnung plädieren nun die heimischen Fachverbände der Mannschaftssportarten für ein schrittweises Comeback des Sports.

Vom American Football bis zum Hockey, vom Handball über Volleyball bis hin zu den Kickern – elf Verbände üben nun den Schulterschluss in Sachen Corona. Und bekommen prominente Schützenhilfe. Etwa von ÖFB-Teamspieler Julian Baumgartlinger („Wir alle kommen von der Basis, das haben wir nicht vergessen“) oder von Beachvolleyball-Ikone Clemens Doppler. „Die Pandemie betrifft uns alle. Wir müssen sie ernst nehmen“, sagt der Vize-Weltmeister. „Ich merke aber auch bei meiner Tochter, dass der Einfluss von Bewegung bei Kindern im Alltag fehlt. Man merkt den fehlenden Sport bei der Konzentration, der Ausgeglichenheit und sogar beim Schlafen.“ Er plädiert für ein schrittweises Öffnen. Wie könnte das aussehen?

Nachwuchs als Frühstarter: Hält der aktuelle Fahrplan, öffnen ab 8. Februar die Schulen. Hier könne man „Synergien nutzen“, sagt ÖFB-Generalsekretär Hollerer. „Der Sport könnte hier bei den Schnelltests mitnaschen, die ja ohnehin im Schulbereich durchgeführt werden sollen.“ Denkbar wäre aus Sicht der „Corona-Allianz“ der Fachverbände ein Training auf Abstand, wie es schon im vergangenen Frühjahr praktiziert worden ist. „Talente, die über Monate nicht trainieren, gehen dem Sport verloren“, fürchtet nicht nur die Gänserndorferin Kata Takács, die Kapitänin des Frauen-Basketballnationalteams.

Der Draht zur Politik: Schon bislang gebe es laufende Gespräche mit dem Sportministerium. „Bis zum Jahreswechsel hat es ganz gut ausgeschaut“, gibt Hollerer Einblick. Die Befürchtungen angesichts der nun auch in Österreich nachgewiesenen Mutationen führten dazu, dass die Politik auf die Bremse stieg. „Ich habe aber den Eindruck, dass das Sportministerium sehr wohl weiß, welchen Stellenwert die Basis hat“, sagt Hollerer.

Der weitere Fahrplan: Nicht nur beim ÖFB hofft man, dass mit dem grünen Licht für Veranstaltungen – dieses wird frühestens mit Anfang März erwartet – wieder regulärer Trainingsbetrieb möglich ist. Konzepte dafür haben alle Verbände längst erarbeitet. „Allerdings denke ich, dass für Trainings und Spiele wie bei Veranstaltungen ein negativer Coronatest notwendig sein wird“, so Hollerer.

Das Testdilemma: An 120 Standorten in NÖ gibt‘s kostenlose Teststraßen (Details auf www.testung.at). Direkt an die Vereine werden die Corona-Schnelltests aber wohl nicht gehen. „Flächendeckend Tests für alle Fußballklubs kann auch der ÖFB nicht finanzieren, schließlich geht‘s da um hunderttausende Tests“, rechnet Hollerer vor. Nach gegenwärtigem Stand dürfen die Tests nicht älter als 48 Stunden sein.

Die Cluster-Angst: Die Ausübung des Teamsports selbst sieht man bei den Verbänden als unproblematisch an. „Da gibt‘s praktisch keine Cluster“, glaubt Hollerer. Aufpassen müsse man „bei der dritten Halbzeit und bei Fahrgemeinschaften zum Match oder zum Training. Hier gilt‘s die Regeln besonders strikt einzuhalten.“