Thiem bei French Open gegen Cilic und in Nadal-Raster. US-Open-Sieger Dominic Thiem hat am Donnerstag keinen einfachen Weg gepflastert bekommen, um vier Wochen nach seinem Triumph in New York erneut in einem Grand-Slam-Finale zu stehen. In der ersten Runde der French Open trifft der 27-Jährige auf den kroatischen Routinier Marin Cilic, in einem etwaigen Achtelfinale könnte es gegen den Sieger aus Stan Wawrinka (SUI-16) gegen Andy Murray (GBR) gehen, im Halbfinale droht dem Weltranglistendritten die hohe Hürde Rafael Nadal (2).

Von APA / NÖN.at. Update am 25. September 2020 (13:47)
Thiem reist als Mitfavorit nach Paris
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Der Zwölffach-Sieger des einzigen auf Sand gespielten Major-Turniers wurde also in Paris in Thiems Rasterhälfte gelost, womit es kein drittes Roland-Garros-Endspiel der beiden in Folge geben wird. Vorausgesetzt Thiem und der Spanier starten mit je fünf Siegen, würde das Duell im Halbfinale stattfinden. Die Chance auf den anderen Endspielplatz ist beim topgesetzten Novak Djokovic recht groß, der heuer sportlich unbesiegte Serbe hat den Ukrainer Daniil Medwedew (4) in seiner Rasterhälfte.

"Sehr knifflig", sagte der von der Austria Presse Agentur mit der Auslosung konfrontierte Thiem-Manager Herwig Straka. "Es beginnen die French Open auch wieder bei Null. Man muss genauso wie bei den US Open einmal die ersten Runden gewinnen, damit man weit kommt. Und mit der Auslosung ist das natürlich nicht leichter geworden." Ein Vorteil habe das Auftakt-Los Cilic aber: "Die Gefahr, dass er (Thiem, Anm.) das auf die lockere Art nimmt, auf die leichte Schulter, ist nicht gegeben."

Grundsätzlich passe bei seinem Schützling aber derzeit alles. "Er hat das nach ein paar Tagen recht gut wieder weggesteckt", bezog sich Straka auf die bewältigten Strapazen. Nachdem Thiem am Mittwoch nach Paris gereist war, wurde er auf Covid-19 getestet und befand sich am Donnerstag im Warten auf das Testergebnis im Hotel in Quarantäne. Nach einer Live-Zuschaltung am Freitagvormittag in eine Pressekonferenz über das Wiener Erste Bank Open sollte es für Thiem auf zum Training gehen.

Er hat nun vorerst auch abzuwarten, ob sein Auftaktspiel schon für den Turnierbeginn am Sonntag angesetzt wird. Sollte die Partie für Montag auf dem Programm stehen, würde Thiem gegen ein Geburtstagskind spielen. Der dann 32-jährige Cilic hat die US Open 2014 gewonnen, jede Menge Routine und hat Österreichs Nummer eins vor knapp drei Wochen in der dritten US-Open-Runde immerhin einen Satz abgenommen.

Der 6:2,6:2,3:6,6:2-Erfolg Thiems bedeutete dessen einzigen Satzverlust in Flushing Meadows vor dem in fünf Durchgängen gegen den Deutschen Alexander Zverev gewonnenen Endspiel. In Brisbane 2016 und in Montreal 2019 hatte sich Thiem gegen Cilic ebenso durchgesetzt, also immer auf Hartplatz. Mit einem 3:0 im Head-to-Head im Rücken spielen die beiden nun erstmals auf Sand gegeneinander, womit sich die Favoritenstellung Thiems sicherlich ein wenig vergrößert.

In dem für Thiem für den weiteren Turnierverlauf oft so wichtigen ersten Match ist Cilic aber dennoch fraglos eine harte Aufgabe. Während im Siegfall die beiden folgenden Runden für Thiem etwas einfacher werden könnten, droht im Achtelfinale ein Aufeinandertreffen mit Wawrinka oder Wildcard-Mann Murray, Wawrinka hat das Turnier 2015 gewonnen und stand 2017 im Finale. Murray ist auf dem Weg zurück. Er ist Finalist 2016, zweifacher Olympiasieger und dreifacher Grand-Slam-Turniersieger.

Im Viertelfinale würde der Papierform gemäß Publikumsliebling und Lokalmatador Gael Monfils (FRA-8) oder Rom-Finalist Diego Schwartzman (ARG-12) warten. Möglicher Viertelfinalgegner Nadals ist Zverev (6), der beginnt mit seinem ersten Duell mit Dennis Novak. Der 27-jährige Niederösterreicher hatte damit Auslosungspech, auch wenn Zverev auf Asche nicht ganz so stark einzuschätzen ist wie auf Hartplatz. Allerdings stand der Hamburger zuletzt zweimal en suite im Pariser Viertelfinale.

Vor der Auslosung war der Rückzug der Nennungen von Milos Raonic (CAN), Kyle Edmund (GBR) und Fernando Verdasco (ESP) bekanntgeworden. Damit gibt es bei den Herren 19 Qualifikanten, darunter der Matzener Jurij Rodionov, der sich am Feitagvormittag gegen den Steirer Sebastian Ofner durchsetzte:

 

Bei den Damen zog Belinda Bencic (SUI) zurück, womit nur ein Sextett aus den Top Ten dabei ist. Hier spielt noch die Oberösterreicherin Barbara Haas um ein Hauptfeld-Ticket.

"Auslosung hätte fast nicht schlechter kommen können"

Wien bereitet sich auf das Stadthallenturnier vor, doch die Tennis-Welt blickt gespannt nach Paris. Seit Mittwoch ist auch US-Open-Sieger Dominic Thiem, der zuletzt zweimal in Roland Garros im Endspiel gestanden ist, in der Seine-Stadt. Für diese gilt ab Montag eine partielle Reisewarnung wegen der Coronavirus-Pandemie gilt. Thiem aber befindet sich bereits in der nächsten Sicherheitsblase und zählt bei den French Open zu den Mitfavoriten.

Allerdings hat der 27-jährige Weltranglisten-Dritte eine sehr schwierige Auslosung vor sich. "Die ist natürlich richtig tough. Ich konzentriere mich sowieso nur auf die erste Runde. Cilic das letzte Match in New York war richtig eng, obwohl es in vier Sätzen war, da sind wir knapp am fünften vorgeschrammt", meinte Thiem am Freitag bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Stadthallenturniers via Live-Schaltung aus Paris. Es gäbe fast keinen unangenehmeren Gegner. "Weil er ein absoluter Champion ist, alles gewonnen hat und bei jeder Partie hundertprozentig an den Sieg glaubt. Ich muss von Anfang an voll da sein", wiederholte Thiem Aussagen, die er zuletzt auch vor dem Drittrundenmatch gegen den Kroaten in Flushing Meadows getätigt hatte.

Bringt Thiem in Paris seine Höchstform, dann ist er neuerlich Kandidat auf den Titel. Doch zu einer Wiederholung der Finali von 2018 und 2019 gegen Superstar Rafael Nadal kann es wegen der Auslosung nicht kommen. Nadal wäre schon im Halbfinale Gegner des Lichtenwörthers. Thiem stört sich daran nicht sonderlich. "Na ja, es war von Anfang an klar: wenn ich das Finale wirklich erreichen will, muss ich entweder Djokovic oder Nadal im Semi schlagen. Jetzt ist es halt Nadal auf meiner Hälfte oder ich bin in seiner, besser gesagt, aber der Weg dorthin ist ein richtig weiter", erklärte der 17-fache Turniersieger.

Die nächsten Runde habe er im Auge, doch der Fokus gelte allein Cilic. "Es ist echt schwer, die Auslosung hätte fast nicht schlechter kommen können. Ich versuche jetzt einfach mich richtig gut vorzubereiten, ein paar gute Trainings reinzukriegen und dann voll da zu sein."

Die herbstlichen Temperaturen in Paris sei er auch von vorangegangenen Jahren im wechselhaften Frühling der Stadt der Liebe gewöhnt. "Es ist schon kühl, man spürt ganz deutlich, dass der Herbst da ist, aber es ist Ende September", so Thiem, der am Donnerstag zwei erste Trainings absolviert hat. "Ich habe ja fast ausschließlich gute Erinnerungen an Roland Garros. Daher habe, sobald ich da den Platz betrete, immer ein gutes Gefühl in mir."

Die Corona-"Blase" in Paris sei im Vergleich zu New York sehr ähnlich, aber: "Es fühlt sich insofern komplett anders an, weil wir in New York nie in der Stadt waren. Wir sind nur zwischen Long Island und der Anlage hin- und hergependelt, wo wir eigentlich keine Leute gesehen haben. Hier fahren wir komplett durch die Stadt durch und die Stadt fühlt sich ganz normal an. Es sind viele Leute auf der Straße, die Restaurants sind voll, alle mit Maske."

Für Thiem ist es nur schwer vorstellbar, dass "das normale Leben im Gange ist, aber wenn das Turnier beginnt nur ganz wenige Zuschauer da sind". Er fühlt sich trotz zugelassener Zuschauer in Paris, wenn auch auf bereits nur noch 1.000 reduziert, sicher. "Weder das Turnier noch die Stadt Paris will sich da sicher irgendetwas zuschulde kommen lassen. Ich denke, dass sowohl Zuschauer als auch Spieler sehr sicher sind und wir uns keine Sorgen machen brauchen."

Der geänderte Turnierball (von Babolat auf Wilson), der weniger hoch abspringt und auch die generell kühleren Temperaturen, könnten ein Vorteil für Novak Djokovic sein. "Vielleicht kommt das ein bisserl mehr dem Novak zugute, aber abgesehen von dem ganzen ist ein Nadal in Paris immer der Topfavorit, dann kommt lange nichts", versichert Thiem. Die Vorgeschichte mit zwölf Titeln und "weil er der mit Abstand beste Sandplatzspieler der Geschichte ist", nannte er als Gründe.

Ob der abgefallene Druck nach dem ersten Major-Titel tatsächlich hilft? "Das werden wir beim ersten Match sehen. Aber es fühlt sich definitiv so an, weil einfach ein gewisser Druck weg ist. Egal, was von jetzt an passiert, ich bin ein Grand-Slam-Sieger. Das wird mir nie mehr irgendwer wegnehmen", weiß Thiem. Dennoch beginne in Paris alles bei Null. "Das heißt, ich habe keinen Bonus von irgendeinem Gegner, vielleicht hab ich in mir selber einen kleinen Vorteil, weil eben dieser große Druck abgefallen ist."

Ein weiterer Vorteil, gerade für Spieler, die 2019 in Paris sehr gut abgeschnitten haben wie er, liegt wohl darin, dass auf jeden Fall die bessere Punkteausbeute (2019 oder 2020) bis zur nächsten French-Open-Auflage im ATP-Ranking stehen bleiben wird. Thiem "muss" also nicht die 1.200 Punkte aus dem Vorjahr verteidigen. "Natürlich ist es auch irgendwie im Hinterkopf, dass man die Punkte verteidigen muss und vielleicht ein Absturz in der Rangliste möglich ist. Der ist jetzt einmal vermieden durch das neue System." Darum gelte es, so Thiem lächelnd, jene paar Turniere zu genießen, bei denen das so ist. "Es wird eh früh genug wieder kommen, dass man die ganzen Punkte verteidigen muss."