Unnötige Pleite für St. Pölten gegen Atzgersdorf. In der Vorwoche war die Freude bei den Falken riesig. Gleich beim Restart hatte man Tabellenführer Leoben aus der eigenen Halle schießen können, sodass ein Platz im oberen Play-off zum Greifen nahe schien. Ein Heimsieg am Mittwoch beim Nachtrag gegen den Tabellen-Achten Atzgersdorf sollte dazu endgültig die Weichen stellen. Doch die Landung in der Realität war hart.

Von Claus Stumpfer. Erstellt am 27. Januar 2021 (01:49)
Paul Pirkfellner (beim Wurf) lief mit den Falken gegen Atzgersdorf das ganze Spiel lang vergeblich einem Rückstand hinterher.
Claus Stumpfer

Schon der erste Wurf von Spielertrainer Damir Djukic verfehlte sein Ziel und es wurde einfach nicht besser. Nach sieben Minuten lagen die Gäste aus Wien bereits mit 5:1 in Front, weil der Angriff bei den Hausherrn einfach nicht ins Laufen kam. Erst nach einem überfälligen Time-out wurde es etwas besser, auch weil Goalie Mark Hübner bis zur 15. Minute dann nur noch zwei Tore der Gäste zum Spielstand von 5:7 aus Sicht der Hausherrn zuließ. Ein Time-out von Atzgersdorfs Coach Czech verfehlt zunächst seine Wirkung, die Falken konnten ausgleichen — 7:7 (17.).

Doch dann griffen Czechs Maßnahmen doch und die Wiener konnten erneut davonziehen. „Wir hatten heute unsere Visiere nicht gut eingestellt“, klagte Falken-Obmann Michi Kögl und auch Djukic sprach zur Pause beim Stand von 14:16 die schwache Offensive lautstark an. Allerdings musste er sich selbst an der Nase nehmen, denn auch er war zu fehleranfällig und Legionär Danijel Arapovic in diesem Spiel überhaupt kein Faktor.

„Atzgersdorf kam viel zu oft zu einfachen Toren“

Nach Wiederbeginn ging dann der erste Schuss von Djukic gleich ins Tor, doch es sollte bis zum Schluss ein vergebliches Hinterherjagen für die Falken bleiben. Sie blieben zwar dran, aber immer wenn es nach einem möglichen Führungswechsel aussah, konnten die Gäste wieder Abspielfehler und sonstige Ungenauigkeiten der Hausherrn zu ihren Gunsten nutzen. Auch stand Atzgersdorfs Goalie Spörk dem St. Pölten Hübner kaum nach, wobei allerdings St. Pöltens Offense auch stets dafür Sorge trug, dass Hübner in aussichtslose 1:1-Duelle gezwungen wurde. „Atzgersdorf kam viel zu oft zu einfachen Toren“, stöhnte auch Kögl.

Zwölf Minuten vor Schluss lag man daher immer noch zwei Tore zurück — 23:25. Besonders deprimierend für Coach Djukic war vor allem die fehlende Chancenausbeute in Überzahl. Sieben Zeitstrafen der Gäste standen nur drei eigenen gegenüber, doch auch daraus konnte kein Kapital geschlagen werden. „Die Schiedsrichter haben definitiv nicht schuld diesmal“, weiß auch Djukic, dass man sich am eigenen Schopf packen muss. „Wer das ganze Spiel über kein einziges Mal führt, hat es auch nicht verdient zu gewinnen!“

Als man zwei Minuten vor Schluss mit vier Toren hinten lag, waren scheinbar alle Messen gesungen, doch wie wichtig die Partie auch für die Gäste war, zeigt der Umstand, dass sie selbst die Nerven fast wegschmissen. Mit einem unnötigen Doppelausschluss mussten sie das extrem hektische Finale in doppelter Unterzahl bestreiten. Zwei Tore holte St. Pölten noch auf, doch mit nur mehr zwanzig Sekunden auf der Uhr, hatte man keine Auszeit mehr, um den Angriff der Gäste zu unterbrechen. Die Defense schaffte keine Balleroberung mehr, die 29:31-Heimpleite war nicht zu verhindern.

Beste Werfer der Falken war Djukic (7), gefolgt von Daniel Schopp (6), was sich mit der Leistung der besten Gäste Alen Bajgoric und Florian Dobias völlig decken sollte.

Nach 1:0-Führung das Derby klar verloren

Mit dieser Niederlage im Gepäck ging es dann am Sonntag noch nach Hollabrunn. Doch wie nicht anders zu erwarten war, gab es im Derby nichts zu holen. Zwar gingen die Landeshauptstädter als erste in Führung, doch ein 4:0-Lauf der Hausherrn machte klar, dass Hollabrunn die Partie hundertprozentig ernst nahm. Zwar kamen die St. Pöltner nochmals bis auf 8:9 heran, doch nach einem Time-out stellte Hollabrunn-Coach Ivica Belas die Mitte zu. Djukic gelangt es nicht, ein Flügelspiel zu etablieren, um der engmaschigen Deckung zu entkommen.

Und nachdem sie schon mit einer 18:15-Führung in die Pause gegangen waren, kamen die Hausherrn auch energischer aus der Kabine. Beim Stand von 22:17 (35.) nahm Djukic dann bei den eigenen Angriffen immer wieder den Goalie vom Platz, doch wie schon beim Mittwoch-Spiel ohne Erfolg. Hollabrunn netzte ein ums andere Mal ins leere Tor. Nach einem 7:2-Lauf war in der 45. Minute das Spiel bereits entschieden — 29:19. „Heute haben unsere jungen Burschen wirklich Lehrgeld bezahlt“, war danach auch Obmann Michael Kögl „bedient“.

„Heute haben unsere jungen Burschen wirklich Lehrgeld bezahlt"

Im Finish wurde bei beiden Teams jeder Mann eingesetzt und dabei hielten die Youngsters wenigstens passabel mit. Der Endstand von 35:23 war aber doch ernüchternd, zumal kein Falke mehr als vier Tore (Bruckner, Pils) erzielen konnte. Zumindest Arapovic (3), der gegen Atzgersdorf ganz neben sich gestanden war, zeigte eine klare Aufwärtstendenz, und wurde auch zum „Man of the match“ bei den Falken gewählt. Der tatsächlich überragende Mann am Feld war aber Hollabrunns Matthias Meleschnig.

Es folgen nun gleich drei ganz wichtige Heimspiel in Folge für die Falken im Sportzenrtum NÖ. Am Samstag empfängt man die Füchse (16 Uhr), dann folgen am 5. Februar die Korneuburger und am 11. Februar die Fivers 2 (beide 20 Uhr).