„Allgemeinwissen ist Basis für das Leben“. Schlechte Noten gibt es von St. Pöltner Direktoren für die Idee Finnlands, Schulfächer abzuschaffen und Beobachten zu schulen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 13. Juni 2017 (04:50)
NOEN, Shutterstock/Rawpixel.com
Mathe, Englisch, Biologie? Für finnische Schüler wird ein Stundenplan bald nicht mehr notwendig sein. Dort wird überlegt, Schulfächer abzuschaffen. Für St. Pöltner ist das unvorstellbar.

„Selbst beobachten, statt auswendig lernen“, lautet das Motto in Finnland. Das Land, das oft als bildungspolitischer Vorreiter gilt, setzt seit Kurzem landesweit auf „phänomenbasiertes Lernen“. Ziel ist es, dass diese neue Lehrmethode Unterrichtsgegenstände irgendwann obsolet macht.

"Der finnische Weg ist nicht nachvollziehbar"

Wenn es nach St. Pöltner Lehrern und Direktoren geht, sollte Österreich da nicht nachziehen. Vor allem bei dem Lehrer Christoph Stadlbauer stößt die neueste Initiative des skandinavischen Landes auf wenig Verständnis: „Wenn ich als Argument dafür lese, dass es heutzutage wichtiger sei, dass Schüler einen Drucker oder ein Anti-Virus-Programm installieren können, anstatt richtig zu schreiben oder Allgemeinbildung zu erhalten, kommt mir das sprichwörtliche Kotzen“, macht dieser mit einem Facebook-Posting seinem Ärger Luft.

Er spielt damit vor allem auf das Argument an, mit dem Finnland diesen Schritt begründet. Wichtig sei es demnach, dass Schüler lernen, „Fake News“ als solche zu entlarven. Dafür seien eine gute Beobachtungsgabe und kritischer Geist entscheidend. Einzelne Daten und Fakten könne man in der heutigen Zeit ohnehin im Internet recherchieren. Von Vorteil seien vielmehr praktische Fähigkeiten. Stadlbauer sieht das anders: „Gerade durch zu wenig Allgemeinbildung wird politische Manipulation möglich“, meint dieser, „bestimmte Dinge, wie das Jahrhundert, in dem der Zweite Weltkrieg stattgefunden hat, muss man wissen, sonst kommt es zur Volksverblödung.“

„Gerade zu wenig Allgemeinbildung macht politische Manipulation möglich“ Christoph Stadlbauer

Zustimmung bekommt er von Schulleitern der Landeshauptstadt: Von Friedrich Gonaus (BAfEP) gibt es für die Idee ein klares „Nein“: „In höheren Schulen ist das unvorstellbar. Allgemeinwissen ist die Basis für das Leben nach der Schule. Ohne geht es nicht.“ Diese Meinung vertritt auch Ulrike Pfiel (Mary Ward): „Das ist nur in der Volksschule möglich. Später kann man von Lehrern auch nicht verlangen, dass sie in jedem Fach ausgebildet sind.“

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