Kein Urteil für St. Pöltner Zuhälter. Ausstellung zu hoher Rechnungen wird St. Pöltner Bordell-Team vorgeworfen.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 26. Januar 2021 (19:10)
Einigen Kunden des St. Pöltner Bordells sollen Getränke serviert worden sein, die sie in einen komatösen Zustand versetzten.
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Dritter Verhandlungstag, aber noch kein Urteil: So endete vorläufig die Verhandlung in der St. Pöltner „Bordell-Causa“. Die NÖN berichtete: Der russische Betreiber (33) eines Rotlichtlokals und sein Komplize, ein 40-jähriger Österreicher vietnamesischer Herkunft, sowie zwei Frauen (54 und 56 Jahre) stehen unter Verdacht, zwischen November 2018 und Juni 2020 mindestens 17 Gäste um mehrere tausend Euro betrogen zu haben. Der vorgeworfene Gesamtschaden soll sich auf 30.000 bis 40.000 Euro belaufen.

Den Angeklagten werden gewerbsmäßig schwerer Betrug, schwere Erpressung, Nötigung und noch diverse andere Delikte zur Last gelegt. Die Täter gingen nach einer fiesen Masche vor: Bereits stark alkoholisierte Gäste wurden auf ein Gratis-Getränk eingeladen. Daraufhin sollen diese in einen mehrstündigen komatösen Zustand gefallen sein. Es steht im Raum, dass sie unwissentlich Absinth konsumiert haben. Nachdem sie wieder bei Bewusstsein waren, wurden Getränke und sexuelle Dienstleistungen im Wert von 6.000 bis 22.000 Euro in Rechnung gestellt. Die ausstehenden Beträge sollen die Angeklagten mit Drohungen eingefordert haben; sie zeigten sogar teilweise ihre Kunden diesbezüglich an. Besonders im Visier hatten sie einen Lehrer, der Gast im Bordell war und seine hohe Rechnung nicht bezahlte. Nicht nur, dass sie ihn zu Hause aufsuchten, sogar in seiner Schule tauchten sie auf.

„Bei Stammkunden haben wir Vertrauen gehabt, da ist die Bezahlung auch im Anschluss möglich gewesen“

Richter und Schöffen hatten es an den drei Tagen nicht leicht, den langen Ausführungen von Opfern wie auch Zeugen zu folgen. Die Einvernahme der Bordellgäste fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Am dritten Verhandlungstag kamen die Prostituierten als Zeuginnen zu Wort. Im Normalfall müssten Kunden im Vorhinein bezahlen, 270 Euro die Stunde, 80 Euro für die Flasche Champagner. Der Kellner hätte die Damen unterstützt, dass die Kunden ihren Bezahlungen nachkamen.

„Bei Stammkunden haben wir Vertrauen gehabt, da ist die Bezahlung auch im Anschluss möglich gewesen“, erklärt eine rumänische Prostituierte. Wie es zu den hohen Rechnungen gekommen ist, wollte der Richter wissen. Das rühre aus den ausgiebigen Konsumationen. Der Professor sei ein Stammgast gewesen. „Wir mussten ihm sogar die Füße küssen“, schildert eine weitere Liebesdienerin. Ein italienischer Kunde soll auch eine zu hohe Rechnung ausgestellt bekommen haben. Dieser hätte sich aber ausgiebig im Whirlpool mit den Mädchen vergnügt. Ein weiterer Gast hätte trotz Lockdown an zwei Tagen Dienste um rund 6.000 Euro in Anspruch genommen.

Von strafrechtlichen Verfehlungen ihres Chefs wollen die Damen nichts wissen. Daher soll ein weiterer Zeuge, der sich derzeit in Rumänien befindet, einvernommen werden. Vertagt.