Mit Stadtgärtner in St. Pölten unterwegs. Auf Du und Du steht Robert Wotapek mit jedem Grashalm der Stadt. Die NÖN nahm er einen Tag lang mit.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 31. Juli 2021 (04:22)
Robert Wotapek
Auf exakt 310 Metern Seehöhe soll sich die Spitze des Eisberges befinden, wenn die Pergola darauf errichtet ist. Davon überzeugte Stadtgärtner Robert Wotapek (links) auch seinen neuen Chef Michael Bachel.
Gruber-Dorninger

Frühmorgens beginnt Stadtgärtner Robert Wotapek „seine Tour“, wie er sagt. Die umfasst das gesamte gärtnerische St. Pöltner Stadtgebiet. Das sind rund 488 Hektar. Darin enthalten das Brunnfeld Spratzern, der Stadtwald, die St. Pöltner Seen und vieles mehr. Dabei gibt es kaum einen Grashalm, den er nicht kennt.

440_0008_8117357_stp29stadt_stadtgaertner_tour4.jpg
Besonders freut sich der Stadtgärtner über Hilfe aus der Bevölkerung. In Pottenbrunn kümmern sich etwa Christa Otzelberger (l.) und Renate Klampfl liebevoll um die Blumentröge. Die Stadt stellt dafür Material zur Verfügung.
Martin Gruber-Dorninger, Martin Gruber-Dorninger

„Das gehört zu uns. Und das. Und das“, dabei zeigt Wotapek während des Autofahrens wildfuchtelnd mit den Armen auf einzelne Beete, die unscheinbar am Straßenrand liegen. Unscheinbar deshalb, weil sie gut gepflegt werden. „Aber wehe, wir vergessen einmal eines, da kommt sofort ein Anruf“, schmunzelt Wotapek. Mit Kritik habe er gelernt umzugehen. Jedem könne man es nicht recht machen. Aber versuchen tue er es trotzdem. Die einen würden Natur pur bevorzugen und beschweren sich über gemähtes Gras, die anderen hätten lieber gepflegte Rabatt’l und fühlen sich von hohem Gras gestört. „Gemäht wird nicht zu oft, aber zur richtigen Zeit. So lautet unser Motto“, erklärt Wotapek. Auf größeren Flächen mähen die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei einen Streifen, der Rest gehört den Insekten. Besser sei es jedenfalls, immer gleich direkt in der Stadtgärtnerei anzurufen, als sich auf Facebook zu beschweren.

Gepflanzt wird auch für die Tiere

Auch bei der Bepflanzung ist Augenmaß angesagt. Die Pflanzen neben der Straße müssen schon einiges aushalten. Die Lieblingsblume des Stadtgärtners ist übrigens Türkischer Mohn in der Blütezeit. Manches pflanzt die Stadtgärtnerei bewusst, damit es von den St.Pöltnern geerntet werden kann, wie etwa Katzenminze. Denn Wotapek hat auch als Gärtner ein großes Herz für Tiere. Einer Katze könne er kaum widerstehen. Da trifft es sich gut, dass er in seinem Job auch mit dem Stadtwald und dem Hammerpark betraut ist. Die dort lebenden Tiere sind Angelegenheit der Stadtgärtnerei. Egal ob Gockel, Rotwild, Ziege, Kaninchen oder Meerschweinchen.

440_0008_8117362_stp29stadt_stadtgaertner_tour9.jpg
Ein eingeschworenes Team sind die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei. Das zeigen auch René Loitfelder, Jürgen Kainrath und Thomas Hohl kurz nach Dienstschluss.
Martin Gruber-Dorninger, Martin Gruber-Dorninger

Bis ans äußerste Zipferl von Pottenbrunn führt die Tour von Wotapek, der die Stadtgärtnerei seit 2012 leitet. Dort am Rande Pottenbrunns wird er ein bisschen wehmütig. Erst kürzlich hat sich der örtliche Verschönerungsverein aufgelöst. Hin und wieder weist Wotapek traurig auf ein leeres Blumenkisterl: „Darum kümmert sich nun niemand mehr.“ Mancherorts finden sich aber noch immer Freiwillige, die solche Blumenkisterl pflegen. Wie Christa Otzelberger und Renate Klampfl, die das ganze Jahr über städtische Blumenkästen zum Blühen bringen. „Wir stellen bei Bedarf Gerätschaften und Pflanzungsmaterial zur Verfügung, wenn uns jemand unterstützen will“, erklärt Wotapek.

Vom Seengebiet bis zur Spitze des Eisbergs

Zu Wotapeks neuestem Aufgabengebiet gehört das gerade entstehende Naherholungsgebiet am Eisberg. Auf dem dort frisch angeschütteten Hügel berichtet er stolz: „Das wird einmal die Spitze des Eisbergs. Exakt 310 Meter Seehöhe, angelehnt an 3100 St. Pölten.“ Dass er mit seinen Mitarbeitern noch mehr Arbeit hat, scheint ihm nichts weiter auszumachen. Auch wenn zu den bislang 47.380 Bäumen, die die Stadtgärtnerei betreut, noch weitere dazukommen. Insgesamt gibt es 72 Mitarbeiter in der Stadtgärtnerei, 30 davon fix beschäftigt. „Bei einer Überprüfung durch das KDZ wollte man uns nicht glauben, dass wir mit dieser Manpower all das schaffen, was wir schaffen“, ist Wotapek stolz. Das Werkel rennt bei der Stadtgärtnerei. Das zeigt zu Dienstschluss die gute Kameradschaft unter den Stadtgärtnern. Mittendrin Wotapek, der abschließend sagt: „Ich liebe meinen Job.“