Pflegekraft in St. Pölten droht Abschiebung. St. Pölten: Vor der Flucht arbeitete Barak Bismillah als Pfleger. Ein Jahr fehlt ihm zur Pflegeassistenz in Österreich.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 12. Mai 2021 (04:20)
Der afghanische Flüchtling Barak Bismillah (3. v. l.) arbeitete vor seiner Flucht als Krankenpfleger. In Österreich besucht er die Schule für Pflegeassistenz, um in diesem Mangelberuf Fuß fassen zu können. Jetzt droht ihm die Abschiebung. Cäcilia Kraus, Engin Kurt, Johannes Herdlinger, Clemens Meyer und Ahmet Ranjbar (v. l.) wollen das verhindern.
Straubinger

Qualifizierte Arbeitskräfte sind auch in Zeiten der Pandemie sehr gefragt. Das AMS investiert viel Geld, um Menschen aus- und weiterzubilden. Zu den gefragten Branchen zählt die Pflege, sie ist bundesweit als Mangelberuf gereiht. Dem afghanischen Flüchtling Barak Bismillah droht dennoch die Abschiebung, obwohl er bereits in seinem Heimatland als Pfleger tätig war und in Österreich derzeit in Ausbildung ist.

„Barak ist so gut integriert, besser als viele andere. Er ist fast fünf Jahre in Österreich. Wenn man nicht das Menschliche sehen will, dann das Wirtschaftliche. Nächstes Jahr schließt er seine Ausbildung zum Pflegeassistenten ab, dann gibt er über Steuern zurück, was er bekommen hat.“ Clemens Meyer spielt mit Barak Bismillah Fußball und hat kein Verständnis für den Abschiebungsentscheid. So sieht das auch Johannes Herdlinger, mit dem Bismillah seit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Soogut-Markt eine enge Freundschaft verbindet: „Es gibt doch in Österreich einen Pflegenotstand. Es ist einfach sinnlos, ihn abzuschieben.“

„Mein Bruder war Polizist und starb durch eine Autobombe. Meinen Vater verschleppten die Taliban und sie haben ihn ermordet.“ Barak Bismillah

Barak Bismillah lebt seit fast fünf Jahren in Österreich. Er arbeitete drei Jahre ehrenamtlich im Soogut-Markt, wurde dort sogar zum Ehrenamtssprecher für die asylwerbenden Mitarbeiter gewählt. Diese Woche absolviert er die letzten Prüfungen des ersten Ausbildungsjahres zum Pflegeassistenten in St. Pölten. Sein Praktikum im Seniorenwohnheim Stadtwald in St. Pölten wurde mit einem „Sehr gut“ beurteilt. Noch ein Jahr, dann ist er fertig. Seitens der Volkshilfe gibt es sogar schon eine Jobzusage für die Zeit nach seiner Ausbildung.

Erfahrung sammelte er bereits in seiner früheren Heimat Afghanistan. Dort absolvierte er die dreijährige Ausbildung zum Krankenpfleger durch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes und leistete insgesamt vier Jahre Praxis.

Durch diese Tätigkeit als Krankenpfleger und die Zusammenarbeit mit einem internationalen Roten Kreuz wurde er immer wieder bedroht. Weil er Angst um sein Leben hatte, floh er schließlich. „Mein Bruder war Polizist und starb durch eine Autobombe. Meinen Vater verschleppten die Taliban und sie haben ihn ermordet“, erzählt Bismillah traurig. Jetzt soll er zurück in das Land, in dem seine Familie bereits ermordet wurde.

„In seine Heimatprovinz kann er nicht zurück, weil die von den Taliban kontrolliert wird."

„Er hat sich fünf Jahre hineingekniet, sich gut vernetzt in Österreich und ist sehr engagiert“, betont auch Bismillahs Vertrauensperson Cäcilia Kraus. Sie unterstützt ihn – wie auch seine Freunde und Kollegen vom SC Harland, bei dem er seit vier Jahren als Fußballspieler aktiv ist. Kraus‘ Sorge ist groß, dass Bismillah zurück nach Afghanistan muss: „In seine Heimatprovinz kann er nicht zurück, weil die von den Taliban kontrolliert wird. Außerdem hat es erst in der Vorwoche wieder Anschläge mit vielen toten Zivilisten gegeben.“