Ansichtskarte vom Mond versprochen. Vor 60 Jahren umrundete Juri Gagarin als Erster die Erde. Ein Jahr später stieß er mit dem Bürgermeister in St. Pölten darauf an.

Von Lukas Kalteis. Erstellt am 10. April 2021 (03:21)
Im Rathaus stieß St. Pöltens Bürgermeister Rudolf Singer (links) mit Weltraumpionier Juri Gagarin (Mitte) undGattin Walentina (Zweite von links) auf dessen Erfolg in der Raumfahrt an.
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Am 12. April 1961, mitten im Kalten Krieg, herrschte schon in den frühen Morgenstunden geschäftiges Treiben am Weltraumbahnhof Tjuratam. Ein junger, grinsender Russe kletterte in orangem Overall in das sowjetische Raumschiff „Wostok 1“. Gegen 8 Uhr wurde die Luke verschlossen und alle Blicke waren auf den Himmel gerichtet. Eine Stunde später folgte der Countdown und Juri Gagarin wurde zum ersten Menschen, der die Erde verließ und sie im Orbit einmal umrundete. Dieser nur 108 Minuten dauernde Flug brachte Gagarin weltweite Ehrungen ein und führte ihn 1962 auch nach St. Pölten.

Die Sowjetunion gewann den Wettlauf ins All und setzte die Konkurrenten in den USA gehörig unter Druck. Da die Sowjetunion versuchte, den Erfolg bestmöglich zu vermarkten, schickte sie den sympathisch wirkenden Gagarin und dessen Frau Walentina auf große Propaganda-Tournee in den Westen, um die Überlegenheit des Sozialismus über den Kapitalismus medienwirksam zu demonstrieren. Der „Kolumbus des Weltraumes“, wie er oft bezeichnet wurde, bereiste dabei fast alle Kontinente und besuchte auch die englische Queen, bevor er nach Österreich kam.

Nach Treffen in Wien und Oberösterreich wurde Gagarin samt Gattin am 12. Mai 1962 in St. Pölten von Bürgermeister Rudolf Singer und hunderten Zuschauern im strömenden Regen am Rathausplatz empfangen. Der Kosmonaut hielt eine kurze Rede über die Freundschaft und die friedlichen Absichten der Sowjetunion, ehe er im Rathaus von Stadtpolitikern und Beamten begrüßt wurde.

Gagarin erlebte Mondlandung nicht

Die St. Pöltner Zeitung berichtete damals von einer Anekdote, wonach Gagarin dem Stadtoberhaupt versprochen haben soll, ihm eine Ansichtskarte vom Mond zu schicken. War dieser doch nach dem Erfolg Gagarins das erklärte nächste Ziel im Wettkampf der Supermächte. Dazu kam es allerdings nicht mehr. Juri Gagarin, der den Ehrentitel „Held der Sowjetunion“ trug, verunglückte 1968 bei einem Flugunfall und die USA triumphierten 1969 im Rennen um die erste Mondlandung.