Hilferuf aus dem Universitätsklinikum St. Pölten. Betriebsrat schlägt in Brief an die Landeshauptfrau Alarm: Sicherheit der Patienten sei in Gefahr.

Von Thomas Werth. Erstellt am 16. April 2019 (04:31)
Retschitzegger
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„Ich habe alle 14 Tage Mitarbeiter von Stationen da, bei denen es so nicht mehr weitergehen kann. Wir mussten etwas tun“, erklärt Vorsitzender Wolfgang Schrefl, warum der Betriebsrat des Universitätsklinikums sich nun hilfesuchend an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner wandte.

Wegen der akuten Unterbesetzung im Krankenhaus schickte der Betriebsrat eine Strukturmängelanzeige – sowohl aus Sorge um die Gesundheit der Patienten, als auch um die Mitarbeiter. Es mangle an Personal wegen zu später Nachbesetzung bei Pensionierungen, Altersteilzeit oder Karenz. „Man muss berücksichtigen, dass wir eine Einschulungszeit von bis zu einem Jahr haben“, so Schrefl.

Vor allem in den Nachtdiensten sei die Personalsituation auf vielen Stationen deutlich spürbar. „Mitarbeiter haben oft alleine Dienst, obwohl das nicht vorgesehen wäre“, warnt Schrefl. In den Intensivabteilungen sei die Zahl der Mitarbeiter ebenfalls am unteren Limit. „Es kann daher sein, dass aufgrund von Personalmangel eventuell ein Patient früher von der Intensivstation entlassen wird“, so Schrefl.

Mitarbeiter sollen abgesichert werden

Das Schreiben soll nicht zuletzt die Mitarbeiter schützen. „Auch wenn die Belegschaft alles Mögliche versucht, um Fehler oder Gefährdungen hintanzuhalten, können Mängel bei der Erbringung der Arbeitsleistung bei Fortbestand einer derart belastenden Arbeitssituation nicht ganz ausgeschlossen werden“, so die warnenden Worte. Es sei daher legitim, „wenn die Belegschaft unter diesen Umständen die Verantwortung für allfällige Schadenersatzforderungen ausdrücklich ablehnt“.

NOEN

Die Problematik bekommen auch die Patienten mit, so Schrefl. „Das ist ein enormer Stress für die Mitarbeiter, wenn sie ständig hören ,Hallo, ich bin auch noch da‘. Lassen sie sich dann zu einem unüberlegten Satz hinreißen, haben sie gleich einen Vermerk in ihren Akten.“

Schrefl und seine Betriebsratskollegen fordern in dem Schreiben daher, das Prozedere bei Nachbesetzungen zu beschleunigen, zeitgerecht mit der Einschulung der Nachfolger zu beginnen und den Dienstpostenplan an neue Herausforderungen anzupassen. „Derzeit werden neue Abteilungen aus dem Boden gestampft, ohne dies im Dienstpostenplan zu berücksichtigen“, so Schrefl.

Beim Klinikbetreiber betont man, dass die Sicherheit der Patienten „im Mittelpunkt des täglichen Handelns steht“, so der Sprecher der Landeskliniken-Holding Bernhard Jany. Dort ist man überzeugt, dass es durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit gelinge, im laufenden Betrieb auch ungeplante Abwesenheiten von Mitarbeitern auszugleichen. „Die Klinikleitung steht gemeinsam mit dem Regionalmanagement und der Geschäftsführung der Holding in laufenden Gesprächen mit dem Betriebsrat“, so Jany.