Vom Vertrieb in „etwas Soziales“. 884 Menschen in der Region St. Pölten schult das AMS für Zukunftsbranchen, Karl Beck wird Alltagsbegleiter.

Von Max Steiner. Erstellt am 11. Mai 2021 (18:01)
Symbolbild
APA

Die Arbeitslosigkeit sinkt, ein Drittel weniger Personen als vor einem Jahr waren im April auf Jobsuche. Auch im Vergleich zum Vormonat ist in Stadt und Bezirk die Arbeitslosigkeit gesunken. Noch ist die Krise allerdings nicht vorbei. Noch sind 366 Menschen mehr auf Jobsuche als vor Beginn der Corona-Pandemie, weiß der Leiter des Arbeitsmarktservice St. Pölten Thomas Pop. „Die wirtschaftliche Erholung im Bezirk wirkt erst zeitverzögert auf den Arbeitsmarkt, da die Unternehmen ihren erhöhten Personalbedarf zuerst über eine stärkere Auslastung der bestehenden Kapazitäten abdecken – insbesondere über Abbau von Kurzarbeitskontingenten.“

Mit der Qualifizierungsoffensive hat Karl Beck nun gute Jobchancen als Alltagsbegleiter.
AMS NÖ, AMS NÖ

Trotz der Krise besteht aber nach wie vor Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften – insbesondere in Zukunftsbranchen wie technischen Berufen, Elektronik und digitale Technik, Logistik und Pflege, erklärt Pop. 473 freie Stellen gab es Anfang April in diesen Zukunftsbranchen, über ein Viertel mehr als vor einem Jahr.

Gute Jobchancen dank Offenheit für Neues

Auf der Aus- und Weiterbildung in diesen Branchen liegt jetzt auch der Fokus der Corona-Qualifizierungsoffensive, die das AMS gemeinsam mit dem Land NÖ und den Sozialpartnern gestartet hat (siehe auch Artikel links). 884 Jobsuchende bereiten sich in den Programmen auf einen Neustart vor. Eine neue berufliche Zukunft schafft sich so auch Karl Beck aus Spratzern. Jahrelang war er zuvor im Vertrieb tätig gewesen, etwa für Medizinprodukte. Auch die Selbstständigkeit hatte er kennengelernt. Mit 54 Jahren will er jetzt noch einmal „durchstarten“. Seine Stärken sieht er im Kontakt mit den Menschen, dabei habe er viel Erfahrung gesammelt. Daher war klar, dass er Menschen unterstützen und „etwas Soziales“ machen wollte. Jetzt orientiert er sich mithilfe des AMS zum sozialen Alltagsbegleiter um. In wenigen Tagen wird Beck seine Ausbildung abschließen. Dann wird er in seinem neuen Beruf älteren Menschen beim Einkauf helfen, sie zum Arzt begleiten oder Pflegehelfer unterstützen.

Die Bewerbungen laufen bereits, die Aussichten sind laut Pop sehr gut. „Eine Qualifizierung ist hier auch in diesem Alter sehr sinnvoll.“ Karl Beck ist es wichtig, trotz fortgeschrittenen Alters den Mut und die Eigeninitiative aufzubringen, sich für Neues zu öffnen und den Weg konsequent zu gehen.

Jugendarbeitslosigkeit stark zurückgegangen

Eine große Herausforderung sieht der AMS-Leiter in der Langzeitarbeitslosigkeit. Fast ein Drittel fällt in diese Kategorie. „Wir werden alles tun, um der Verfestigung der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken“, betont Thomas Pop. Sorgenkinder sind auch die Älteren. Erfreulicher ist die Situation bei den Jüngeren unter 25 Jahren. „Hier ist die Arbeitslosigkeit sogar im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 um 14 Prozent zurückgegangen.“