Wartezeit wegen Run aufs Radl. Region St. Pölten: Corona machte nicht nur Lust aufs Radfahren, sondern brachte auch die Lieferkette aus Asien zum Erliegen.

Von Inge Moser, Lukas Kalteis, Nadja Straubinger und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 07. April 2021 (04:00)
Vor Ostern standen die Kunden in Wilhelmsburg Schlange. Das liegt einerseits am Rad-Boom, andererseits auch an der Expertise von Wolfgang Denk und Mountainbike-Staatsmeister Michi Holland.
Moser, Moser

Das Radfahren boomt. Das Coronavirus hat der Begeisterung für den Drahtesel neuen Schwung gegeben. Nach weniger heißen Tagen auf dem Traisental-Weg hat die Zählstelle in St. Pölten etwa bereits wieder 1.500 Radler an einem schönen Mittwoch gezählt. Lange Warte- und Lieferzeiten für neue Fahrräder sind die Kehrseite der Medaille. Aber auch für die Reparatur und das Frühjahrsservice müssen die Fahrradfahrer einiges an Geduld aufbringen.

„Der nächste Termin für ein Service ist in drei Wochen frei“, erklärt Peter Strobl, Geschäftsführer von Radsport Strobl in Wagram. Maximal acht bis zehn Fahrräder können in seiner Werkstatt auf Gangschaltung und Speiche geprüft werden. Froh ist Strobl, dass er noch vor dem Winter sein Ersatzteillager aufgefüllt hat, denn die Teile sind momentan schwer zu bekommen. Ebenso neue Fahrräder. 90 Prozent der weltweiten Radproduktion liegen in Asien, schätzt Strobl. Dort waren die Fabriken wegen der Pandemie lange Zeit geschlossen.

„Der nächste Termin für ein Service ist in drei Wochen frei“

Der Rad-Boom schlägt sich bei Strobl auch in den Verkaufszahlen nieder. „Heuer lief der Verkauf jedoch etwas holprig an, da die Nachfrage die Verfügbarkeit weit übersteigt“, so Strobl. Es gebe schon noch Fahrräder im Verkaufsraum, bei bestimmten konnten jedoch vor Ostern Liefertermine nicht rechtzeitig eingehalten werden.

Vor Wolfgang Denks Radgeschäft in Wilhelmsburg standen in den Tagen vor der verordneten „Osterruhe“ die Kunden sogar Schlange. Seit letztem Sommer ist die Nachfrage nach Fahrrädern ungebrochen, so Denk. Hauptsächlich werde nach E-Bikes gefragt, ein kleiner Teil setze noch auf normale Fahrräder. Vor Ostern waren auch Kinderfahrräder begehrt. Viele Kunden kommen auch aus dem Gölsental, einige sogar aus Wien, in das Fahrradgeschäft in Wilhelmsburg. Um den Ansturm abarbeiten zu können, hat Denk acht Mitarbeiter beschäftigt, je vier im Verkauf und in der Werkstatt. Seit Anfang März zählt auch der erfolgreiche Mountainbiker Michi Holland zu seinen Verkäufern.

Den Run aufs Fahrrad bestätigt auch René Schneider. Er betreibt die Radschneiderei in Pyhra und ist Mitglied der St. Pöltner Radlobby. „Besonders E-Mountainbikes sind heuer der Renner. Mittlerweile machen E-Räder circa 40 Prozent der Verkäufe aus, das liegt aber auch am jeweiligen Sortiment der Radhändler“, so Schneider. Zu Ostern würden übers Jahr gesehen mit Abstand die meisten Räder verkauft. Besonders Kinderräder, die gerne zu Ostern verschenkt werden, sind nahezu ausverkauft. „In der Pandemie bekam das Rad einen höheren Stellenwert, ist es doch derzeit eines der wenigen Dinge, die Menschen Freude bereiten.“

Luft im Reifen, Ölen und Bremsenkontrolle

Heuer noch ein Rad zu kaufen, wenn man noch keines bestellt hat, ist laut Schneider schwierig. Das gelte auch für Ersatzteile. Schneider schließt Wartezeiten nicht aus, bis zu 14 Monate Lieferzeit gebe es. Wer ein Rad kaufen will, sollte sich im Radgeschäft seines Vertrauens beraten lassen, um ein Modell zu bekommen, das auf den Käufer abgestimmt ist. Wer rund um den Sommer ein Rad bestellt, das nicht lagernd ist, muss damit rechnen, dass es erst im Frühjahr 2022 kommt.

Schneider hat aber auch Tipps parat, um das Fahrrad in Schuss zu kriegen. Besonders wichtig sei das Aufpumpen der Räder, das Ölen der Kette, eine Kontrolle der Bremsen und das Nachziehen aller Schrauben, sofern man das passende Werkzeug zu Hause hat. Ambitionierte Fahrer, die eine optimale Performance ihres Sportgerätes wollen, sollten das Rad zum Mechaniker bringen, um es wieder perfekt vorzubereiten, auch wenn die Wartezeit derzeit etwas länger ist.

Radclub teilweise im Leerlauf

Das Rad ausgewintert hat auch schon der Obmann des Radclubs Radlberg René Soyka. Gemeinsame Fahrten sind aber nicht möglich, bedauert er. Es gebe zwar zwei Anfragen, aber aufgrund der aktuellen Situation mache es keinen Sinn beizutreten. „Wir können ja keinen Beitrag verlangen und nichts bieten“, ist er überzeugt. Der Kontakt mit der Bevölkerung sei zwar etwas verloren gegangen, aber die Mitglieder halten natürlich Kontakt. „Aus der Vereinsmitgliedschaft sind auch viele Freundschaften entstanden“, so Soyka. Jeder trainiert derzeit selbst nach Lust und Laune. Im Mai ist wieder die Teilnahme am „Race around Niederösterreich“ geplant.

Platz für Radler sollen nach den laut Bürgermeister Matthias Stadler „für die Jahreszeit bereits erfreulichen Werten“ etwa zusätzliche Wege für Fußgänger an der Traisen bringen. Auch die Vorbereitungen für die Radverbindung von der Innenstadt über den Europaplatz und Friedhof bis Waitzendorf laufen.

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