Fußfessel hat sich bewährt. 405 Insassen wurden schon elektronisch überwacht. Fast jeder zweite Antrag wird genehmigt.

Von Thomas Werth. Erstellt am 10. Dezember 2019 (04:00)
Elektronische Fußfessel
APA

Seit 2010 ist es für Häftlinge möglich, unter gewissen Voraussetzungen die Strafe in den eigenen vier Wänden mit einer Fußfessel abzusitzen. In der Justizanstalt St. Pölten macht man mit dem elektronisch überwachten Hausarrest bislang großteils positive Erfahrungen. „Wir nutzen diese Möglichkeit im Vergleich mit den anderen Justizanstalten sicher überdurchschnittlich oft, weil es eine sehr gute Vollzugsform ist“, erklärt Leiter Günther Mörwald. Seit Einführung haben in St. Pölten 405 Insassen ihre Haft mit einer Fußfessel beendet. Heuer gab es bisher 92 Anträge, 51 wurden genehmigt.

NOEN

In Frage kommen für den elektronisch überwachten Hausarrest ausschließlich Personen mit einer (Rest-)Haftdauer von weniger als einem Jahr. Dazu müssen sie einen aufrechten Arbeitsplatz haben sowie eine Wohnung, in der die Fußfessel technisch umsetzbar ist. Für Sexualstraftäter gibt es verschärfte Kriterien.

Wenige werden erneut straffällig

Der Antrag auf Fußfessel wird aber nicht nur von Häftlingen eingebracht. „Wir gehen auch aktiv auf Insassen zu und schauen, ob sie dafür geeignet sind“, erzählt Mörwald. Das Ansuchen wird von mehreren Stellen geprüft, eine Missbrauchsprognose sowie ein Aufsichtsprofil mit dem Verein Neustart werden erstellt. Auch die Angehörigen müssen zustimmen.

„Hauptsächlich scheitert es an der fehlenden Arbeit“, weiß Mörwald. Im Schnitt wird jeder zweite Antrag genehmigt. Der Insasse darf nicht nur für die Arbeit das Haus verlassen, sondern auch für medizinische Zwecke oder das Decken des Lebensbedarfs. „Es wird alles definiert, auch die Kinderbetreuung oder die Freizeit“, so Mörwald.

Rund zehn Prozent brechen den überwachten Hausarrest vorzeitig ab. „Die Wenigsten werden erneut straffällig“, betont Mörwald. Stattdessen rasseln die meisten durch die verpflichtenden Alkohol- oder Drogentests.