Schießplatz soll umziehen. Rudolf Schöbinger schlägt vor, dass Waffenübung statt in Völtendorf im künftigen Polizeisicherheitszentrum stattfindet.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 11. Mai 2021 (18:30)
Straubinger

Es wird am Tag geschossen. Auch in der Nacht. „Man weiß nie, wann es losgeht und wann es endet“, sagt Rudolf Schöbinger. Er ist einer der Anrainer, die seit Jahren massiv unter dem Lärm der Trainings am Schießplatz Völtendorf leiden. „Die Lebensqualität ist dadurch massiv getrübt, vor allem, wenn man im Garten oder auf der Terrasse sitzen möchte“, schildert er.

1.609 Unterschriften sammelte er mit anderen Betroffenen im Süden der Stadt; mit dieser Petition sollten Lärmschutzmaßnahmen erwirkt werden. Bislang vergebens. Bundesheer und Polizei trainieren am Kugelfang weiter. Den Neubau des Polizeisicherheitszentrums auf der Schanze beim Landeskriminalamt sieht Schöbinger jetzt als große Chance, die Anrainer beim Schießplatz zu entlasten. „Hier entsteht immerhin ein Einsatztrainingszentrum mit Raumschießanlage inklusiver interaktiver Video-Zieldarstellung. Das war ein Weckruf für uns“, betont er. Bei dem riesigen Investitionsvorhaben der Polizei müsse, meint er, auch die Schießausbildung mit dem Sturmgewehr STG 77 A3 enthalten sein, die derzeit in Völtendorf durchgeführt wird. „Was bringt es, wenn mit der Pistole in einem Schießkino geübt wird, mit dem Sturmgewehr aber wieder völlig realitätsfern auf stehende Scheiben geschossen wird?“, gibt er zu bedenken.

Außerdem, regt Schöbinger an, dass auch das Bundesheer hier künftig „in modernstem Ambiente und nicht auf einem überalteten Schießplatz“ weiter trainieren müsse. Polizei und Heer könnten Synergien nutzen, auch im Hinblick auf gemeinsame Trainings. Raumschießanlagen erfüllen, beteuert außerdem Schöbinger, die Anforderungen der deutschen Bundeswehr. „Warum sollten sie nicht den Anforderungen des österreichischen Bundesheeres gereichen?“, fragt sich Schöbinger.

Er ist überzeugt: „So wäre der Süden von St. Pölten den Schießlärm los und die Stadt hätte ihr versprochenes Naherholungsgebiet.“ Die Polizei müsse ihre Raumschießanlage in St. Pölten mit geeigneten Kugelfängen ausrüsten. Bei der Pressestelle der Landespolizeidirektion gibt man sich zu diesem Vorschlag kurz und bündig. „Insoferne möglich, werden wir Anrainerbedenken mitberücksichtigen“, sagt Polizeisprecher Johann Baumschlager.

Und was hält das Bundesheer von diesem Vorschlag? „Die Polizei wird ihren Schießplatz natürlich für ihre Bedürfnisse bauen“, meint Sebastian Schubert vom Militärkommando Niederösterreich. Die Exekutive hat aber andere Anforderungen an einen Schießplatz als das Bundesheer. „Schießplätze des Bundesheeres müssen Schießbahnen auf Langdistanz von zumindest 200 Metern aufweisen und auch für Maschinengewehre geeignet sein“, erklärt er. Außerdem sei das Polizeisicherheitszentrum erst in Planung. „Aus heutiger Sicht kann daher noch nicht gesagt werden, ob der Schießplatz im Polizeisicherheitszentrum überhaupt die Kapazität aufweist, zusätzlich Termine für das Bundesheer bereitstellen zu können“, meint er.

Die Inbetriebnahme des neuen Polizeisicherheitszentrums ist für 2026 anvisiert. „Es ist daher aus unserer Sicht noch viel zu früh, darüber zu spekulieren, ob ein Schießplatz im Polizeisicherheitszentrum überhaupt geeignet ist, den Schießplatz Völtendorf zur ergänzen oder zu ersetzen“, betont Schubert. Um auch in Zukunft die notwendige Schießausbildung der Soldaten durchführen zu können, sei der daher weitere Betrieb des Schießplatzes Völtendorf unerlässlich.