Spitalspersonal ist über dem Limit. Corona-Notsituation in St. Pölten: Ressourcen sind ausgeschöpft, Mitarbeiter ohne Erfahrungen mit schwer Kranken müssen auf Covid-Station aushelfen.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 07. April 2021 (04:42)
Die Situation im Universitätsklinikum ist ernst. Immer mehr Mitarbeiter beklagen sich beim Betriebsrat. 
NÖN

Nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt und der Region neue Höhen im Jahr 2021 erreicht, schlagen Mitarbeiter und Betriebsrat im Universitätsklinikum nun Alarm. „Wir sind am Limit“, beklagt Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Schrefl.

Nach dem ersten Höhepunkt an Covid-Patienten im Herbst droht die nächste Extremsituation. Über die Intensivbetten zu reden, sei dabei falsch, erklärt Schrefl. „Es geht um Personal, das Patienten in diesen Intensivbetten betreut.“ Dieses Personal sei bereits völlig überlastet, alle Ressourcen ausgeschöpft. „Der Dienstpostenplan wurde nicht aufgestockt und qualifiziertes Personal am Markt zu finden, ist derzeit ein Ding der Unmöglichkeit“, weiß Schrefl.

Oft bleibt nichts anderes übrig, als Mitarbeiter von anderen Abteilungen, wie der Geburtshilfe, an die Covid-Station zu „verborgen“. „Aufgrund der Reduktion der operativen Leistungen werden die betroffenen Mitarbeiter zur Gewährleistung der bestmöglichen Versorgung unserer Patienten natürlich auf Covid-Stationen eingesetzt“, betont die kaufmännische Direktion des Universitätsklinikums.

Mitarbeiter sind Abläufe oft nicht gewohnt

Für „unzumutbar“ hält das eine Mitarbeiterin des Krankenhauses, die sich bei der NÖN gemeldet hat. Aus Angst vor Konsequenzen will sie weder Namen noch die Abteilung, in der sie arbeitet, nennen. Aus eigener Erfahrung habe sie erlebt, wie durch den Personalaustausch das Coronavirus in verschiedenen Stationen verbreitet wurde.
„Das ist ein Schock für die Mitarbeiter, wenn sie plötzlich auf der Covid-Station aushelfen müssen“, bestätigt Wolfgang Schrefl. Den Umgang mit schwer kranken Menschen sei nicht jeder gewohnt. Außerdem kennen die Mitarbeiter die Abläufe einer eingespielten Station nicht. Immer häufiger wenden sich laut Schrefl Mitarbeiter an den Betriebsrat, die sich von ihrem Beruf abwenden wollen. Neben der Überlastung sieht Schrefl noch einen zusätzlichen Grund: „Es fehlt den Mitarbeitern an Anerkennung.“