Wenn der Gastgeber zum Zuseher wird. Wagram: Was ein Filmdreh in den eigenen vier Wänden bedeuten kann, beschreibt Stefan Teuber als „Ausnahmezustand“.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 25. April 2021 (03:49)
Eine gute Dokumentation der potenziellen Drehorte ist für Stefan Teuber unerlässlich.
NOEN

„Prinzipiell empfehle ich, Menschenansammlungen in den eigenen Privaträumen gegenüber aufgeschlossen zu sein, wenn man plant, seinen Wohnort für Dreharbeiten zu vermieten.“ Der St. Pöltner Stefan Teuber findet film- und fototaugliche Locations seit 21 Jahren und vorwiegend im Osten Österreichs.

Am Film-Set im feinen Eigenheim tummeln sich dann in der Regel 30 bis 50 Personen, die Darsteller noch nicht mitgezählt. „Man sollte sich während des Drehs auf einen Ausnahmezustand einstellen, da man selbst plötzlich nicht mehr der Gastgeber ist, sondern vielmehr Zuseher.“

„St. Pölten hat architektonisch und filmisch interessante Objekte, etwa die Wohnbauten von Architekt Wondracek.“ Stefan Teuber

Doch bevor es so weit kommt, wird entdeckt, recherchiert, fotografiert und gefühlt, bisher an rund 4.000 Orten. Auf seiner Online-Plattform filmlocations.at präsentiert er mit gut 400 Objekten nur einen Bruchteil. „Ich kenne die Locations gerne persönlich, weshalb ich in den westlichen Bundesländern relativ wenig anbiete.“ Es wäre zu zeitaufwendig, eine gute Dokumentation sei unerlässlich.

Durch die Filmlocation-Suche ist Stefan Teuber viel unterwegs und erkundet gerne neue Gegenden. „Zu Hause“ in Wagram will er aber die Ruhe in der Natur mit Großpudel-Pärchen Duffy und Ricco genießen.
Astrid Bernhard, Astrid Bernhard

Die Recherche könne recht langwierig sein, was weniger an den Eigentümern liege, „als vielmehr an dem Umstand, dass die Dreharbeiten für Spielfilme oft in dem Bundesland stattfinden müssen, das entsprechende Finanzspritzen zuschießt.“ Wenn etwa das Land Niederösterreich eine entsprechende Regionalförderung vergibt, gilt es Objekte zu finden, „die so aussehen wie ein Landhaus in der Normandie oder ein Schloss à la Hogwarts“, schmunzelt Teuber.

Mittlerweile kommen aber die Hälfte aller Neuzugänge auf ihn zu. Seine Internet-Plattform ist für werbetaugliche Objekte optimiert, der Hauptstandort dafür Wien. St. Pölten habe durchaus architektonisch und filmisch interessante Objekte zu bieten, Villen mit Patina oder die Wohnbauten von Architekt Rudolf Wondracek. Teuber bedauert aber, dass „St. Pölten einen Teil seines städtebaulichen Erscheinungsbildes zugunsten zeitgenössischer Nutzbauten aufgegeben hat.“

NOEN

Seine privaten Lieblingsorte liegen zumeist in der Natur um die Stadt: „Da will ich auf keinen Fall ein Film-Team hinvermitteln, das dann meine Ruhe stört“, lacht er. Ist er nach 20 Jahren Wien doch zurückgekommen, um den Lärm der Großstadt hinter sich zu lassen.