Jubel bei VP und Grünen, Warnung für die FPÖ. ÖVP schafft zwei Grundmandate, SPÖ eines, Hafenecker holt einziges für FPÖ in NÖ. Drei Grüne schaffen es über Landesliste.

Kindler
In der ÖVP-Bezirkszentrale in St. Pölten war die Begeisterung kaum zu bremsen. Bernhard Wiehalm, Ulrike Nesslinger, Michaela Steinacker, Matthias Adl, Friedrich Ofenauer und Doris Schmidl jubelten.

Türkise Luftsprünge und Luftballons überall in der ÖVP-Bezirkszentrale in St. Pölten, als die erste Hochrechnung über den Bildschirm flimmerte. Nationalratsabgeordnete Michaela Steinacker hatte sogar Tränen in den Augen: „Ich freue mich aus tiefstem Herzen. Sebastian Kurz ist der beste Kanzler für Österreich. Ich bin dankbar, dass das Land jetzt in guten Händen ist.“ Die Superlativen gingen Friedrich Ofenauer hingegen aus: „Wunderbar, großartig, überwältigend.“ Das Ergebnis sei der Arbeit der Funktionäre zu verdanken, so Ofenauer, der davon ausgeht wieder in den Nationalrat einzuziehen.

Im VP-Büro in Tulln verfolgte Wahlkreis-Spitzenkandidat Johann Höfinger die eintrudelnden Ergebnisse. „Das ist eine Bestätigung für die tolle Arbeit unserer Funktionäre, sowohl auf Bundesebene als auch vor Ort“, freut sich Höfinger, der im neuen Nationalrat einen Fixplatz haben wird. Er hofft jetzt, „dass die Regierung mit Sebastian an der Spitze die Arbeit bald wieder aufnehmen kann, damit dieses Land wieder gestaltet und nicht nur verwaltet wird.“

Lange Gesichter gab es hingegen in der SPÖ-Bezirkszentrale in St. Pölten. Regionalgeschäftsführer Harald Ludwig tippte schwermütig die Ergebnisse der Bezirksgemeinden in den Computer ein. „Unter 20 Prozent wäre eine Katastrophe gewesen, aber erfreulich ist das Ganze trotzdem nicht.“

SPÖ
SPÖ-Wahlkreis-Spitzenkandidat Robert Laimer zeigte sich noch optimistisch, als er frühmorgens im Wahllokal in der Berufsschule in St. Pöltenseine Stimme abgab.

Im RedPoint in der St. Pöltner Innenstadt war die Stimmung auch nicht besser. Ein paar eingefleischte SPÖ-Wähler klopften Wahlkreis-Spitzenkandidat Robert Laimer aufmunternd auf die Schulter. „Das Ergebnis tut mir gleich doppelt weh. Einerseits im Sinne der Sozialdemokratie, andererseits, dass sich der Rechtsruck weiterhin fortsetzt und noch immer eine Mehrheit hat“, analysiert Laimer.

„Das Wahlergebnis ist nicht dazu angetan, einen Regierungsauftrag anzunehmen“, legt sich FPÖ-Wahlkreis-Spitzenkandidat Christian Hafenecker gleich auf eine künftige Oppositionsrolle der Freiheitlichen fest. Nun sei das eingetreten, wovor die FPÖ im Vorfeld gewarnt habe – eine Mitte-Links-Mehrheit. „Sebastian Kurz wird daher erklären müssen, wie er in Zukunft den mit uns eingeschlagenen Weg fortführen möchte“, ätzt Hafenecker. Er sieht das schlechte Abschneiden der Blauen vorrangig in einer „Schmutzkübelkampagne“ gegen die FPÖ kurz vor dem Urnengang begründet. Trotz der freiheitlichen Wahlschlappe hat der Kaumberger über ein Grundmandat den Wiedereinzug in den Nationalrat geschafft. Auch FPÖ-Generalsekretär will er weiter bleiben.

Grüne aus Region kommen ins Parlament

Wieder aufgeblüht sind die Grünen im Wahlkreis am Sonntagabend: „Jetzt schauen wir anders aus als vor zwei Jahren“, strahlte Bezirkssprecher Michael Pinnow: „Das hat es noch nie gegeben, dass eine Partei nach dem Rausflug aus dem Parlament retour gekommen ist.“ Im Bezirk St. Pölten-Land haben die Grünen über zwölf Prozent erreicht: „Das ist ein großes historisches Ergebnis“, freut sich Pinnow. Auch Spitzenkandidatin Elisabeth Götze jubelt über viele Wählerstimmen: „Das ist eine große Freude und Erleichterung.“ Auf die Frage, mit wie viel Prozent der Wählerstimmen sie gerechnet hat, antwortet die Eichgrabenerin: „Ich habe mich nicht mit Zahlenspielen befasst, ich war zu beschäftigt mit dem Rennen im Wahlkampf.“

Mit dem 26-jährigen Traismaurer Süleyman Zorba zieht auch ein „Jungspund“ für die Grünen fix in den Nationalrat ein. „Ich kann das Ganze ehrlich gesagt noch gar nicht fassen und werde wohl erst in den kommenden Tagen realisieren, was das bedeutet“, ist Zorba begeistert. Er ist der erste Nationalratsabgeordnete aus der Region Herzogenburg seit 44 Jahren. Er engagiert sich seit 2012 bei den Grünen und ist ihr einziger Mandatar im Gemeinderat der Römerstadt.

Grund zur Freude hat NEOS-Spitzenkandidat Clemens Ableidinger: „Wir haben das beste liberale Resultat der Zweiten Republik erreicht und sind damit sehr zufrieden.“ Mit dem „hervorragenden Ergebnis“ in der Tasche soll die Arbeit der NEOS weitergehen – egal ob als Regierungs- oder Oppositionspartei. Ableidinger: „Wir werden weiterhin mit unseren Inhalten effektiv sein, egal in welcher Position.“

Zerknirscht zeigt sich JETZT-Spitzenkandidat Martin Balluch im NÖN-Gespräch: „Das Ergebnis ist natürlich sehr schlecht.“ Kommen gesehen habe er das so nicht. „Ich bin aber politisch zu unerfahren, um das einschätzen zu können“, betont er.