Frauenplattform: Corona-Krise macht ungleicher. Durch die Pandemie habe es bei Gleichberechtigung Rückschritte gegeben, meinen Vertreterinnen der St. Pöltner Frauenplattform.

Von Max Steiner. Erstellt am 07. März 2021 (10:55)
Burgschauspielerin Ulli Fessl liest am Sonntag, 7. März, ab 17 Uhr im Live-Stream unter suttneruni.at.
suttneruni.at/Kulturverein Saba

Zum 110. Mal begeht man den Weltfrauentag, seit einem Jahrhundert immer am 8. März, die Gründe dafür gehen gerade derzeit nicht aus. „Die Forderungen nach mehr Gleichberechtigung und Gleichstellung sind alt – in der jetzigen Zeit aber brisant wie nie“, sieht Ulrike Limberger, Leiterin des Frauenzentrums, akuten Handlungsbedarf.

Rosen in Anspielung auf das Lied „Brot und Rosen“ verteilten die SPÖ-Frauen Karin Gaderer, Elfi Pointner, Irmgard Wimmer, Elisabeth Oppenauer, Jessica Müller, Martina Amler und Renate Gamsjäger am Samstag vor dem Weltfrauentag.
SPÖ-Frauen

Gemeinsam mit vielen weiteren Mitgliedern der St. Pöltner Frauenplattform meldet sie sich im Vorfeld zu Wort. „Der Internationale Frauentag ist nicht ein Tag, um Frauen Blumen zu schenken, sondern der Tag, um darauf aufmerksam zu machen, dass es überwiegend die Frauen sind, die derzeit Enormes leisten“, unterstreicht Martina Eigelsreiter, Leiterin des städtischen Büros für Diversität.

Bei den SPÖ-Frauen steht der Weltfrauentag ganz im Zeichen der Krise. Sie fordern eine „massive Entlastung der Frauen, die die Hauptlast in der Krise tragen und Maßnahmen gegen die Frauenarbeitslosigkeit“, erklärt SPÖ-Bezirksfrauen-Vorsitzende Renate Gamsjäger. 3.615 Frauen waren Ende Februar in Stadt und Bezirk St. Pölten arbeitslos gemeldet, das sind um 727 und damit um mehr als 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei den Männern stieg die Arbeitslosigkeit in dieser Zeit nur um 11 Prozent.

„Gleichberechtigte Teilhabe an Erwerbsleben, politischen Entscheidungsprozessen und gesellschaftlichen Ressourcen sind noch keine Selbstverständlichkeit“, meint auch Grünen-Stadträtin Christina Engel-Unterberger.

Durch die Pandemie spürt Barbara Seyrl vom Frauenprojekt „fairwurzelt“ sogar einen Rückschritt in der Gleichberechtigung. Besonders Frauen seien zurzeit gefordert, Beruf und Homeschooling unter einen Hut zu bringen. Sie leisten hauptsächlich die Care-Arbeit, wie Pflege von Angehörigen oder Betreuung der Kinder, bestätigt Ulrike Limberger. Ein großer Teil der Frauen sei über der Belastungsgrenze angelangt.

Beim Blick auf die Situation der Alleinerzieherinnen fürchtet Petra Fischer, Leiterin des Mutter-Kind-Hauses der Caritas, dass nach der Krise noch mehr Frauen aus finanzieller Not in prekären Arbeits- und Beziehungsverhältnissen gefangen sind. „Es geht nicht, dass Frauen in frauendominierten Berufen beklatscht werden, aber nichts an einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen und an einer Anhebung des Lohnniveaus in diesen Sparten passiert“, betont Limberger.

Unterdrückung beginnt oft im Kleinen

Neben dieser Mehrfachbelastung sieht Präsidentin Eva Hahn vom Club St. Pölten Allegria Frauen in Extremfällen auch vermehrt Gewalt in Ehe und Familie ausgesetzt. Ihr Service-Club setzt sich mit dem Programm „Frauen stärken Frauen“ für Frauen in Druck-Situationen ein, arbeitet dafür etwa mit Frauenhäusern zusammen, in denen Hilfesuchende Unterstützung finden.

Im St. Pöltner Haus der Frau war es nach jedem Lockdown ähnlich, schilderte Frauenhaus-Leiterin Olinda Albertoni erst kürzlich. Sobald es Lockerungen gab, suchten Frauen Hilfe. „Wir gehen davon aus, dass die Frauen während des Lockdowns zu sehr unter der Kontrolle des Täters standen“, sagt Albertoni. Ein Jahr Pandemie führe nun drastisch vor Augen, wo Frauenrechte fehlen und wo sie nur theoretisch existieren. Unterdrückung wie Benachteiligung beginne oft im Kleinen.

Bildung für mehr Gleichberechtigung

Eine gute Aus- und Weiterbildung ist für Service-Club-Präsidentin Eva Hahn eine Basis für gleiche Chancen im Beruf und im täglichen Leben. „Wir müssen Frauen dabei unterstützen, geeignete Qualifikationen zu erwerben, um mehr Verantwortung und mehr Führungspositionen wahrnehmen zu können.“

Mit einem umfassenden Angebot wie etwa Programmierkursen für Frauen versucht die Fachhochschule, Frauen in männlich dominierten Arbeits- und Forschungsbereichen zu stärken. „Mit Initiativen wie Code4Girls, den Creative Coding Labs und Coding Weeks für Lehrlinge schaffen wir es, gezielte Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Technik und Wissenschaft zu setzen“, so die Gender & Diversity-Beauftragte der FH Ulrike Wieländer.

Ganz im Sinne ihrer Namensgeberin, die das Wahlrecht für Frauen forderte und festgefahrene Rollenbilder bekämpfte, will die Bertha von Suttner-Privatuniversität bei der Gleichberechtigung vorangehen. Der Anteil von Frauen in Geschäftsführung und bei den Professuren liegt bei 50 Prozent, etwas mehr als die Hälfte der Studierenden sind Frauen.

Zum Weltfrauentag liefert die Suttner-Uni auch einen kulturellen Beitrag, Burgschauspielerin Ulli Fessl las am Sonntag, 7. März, im Live-Stream auf www.suttneruni.at (siehe auch Events-Liste unten).