St. Pölten: Freiwillig verlängert oder verpflichtet. Ob Zivil- oder Grundwehrdiener, jeder der jungen Männer macht sich seine Gedanken in der Coronakrise.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 03. April 2020 (17:56)

Thomas Hofbauer bleibt als Zivildiener länger im Einsatz, bis 30. Juni. Der gelernte Gärtner hätte seinen Job beim Gartengestalter schon in der Tasche gehabt, muss nun aber weiter bei Patiententransporten helfen. „Eigentlich ist es eher ruhig hier im St. Pöltner Krankenhaus, weil ja auf Notbetrieb umgestellt wurde, ich erlebe so um die drei Verdachtsfälle am Tag.“ Aber Hofbauer konnte sich mit seinem künftigen Arbeitgeber einigen, nach seinem verlängerten Zivi-Dienst, dann mitten in der Hauptsaison, als Gärtner los zu legen. „Das beruhigt mich sehr, und ich bin dankbar dafür.“

Der St. Pöltner Marc Hevesi hat seinen Zivildienst im Pflegebereich vor einem halben Jahr beendet und arbeitet seit seiner Matura im Management eines Finanzdienstleisters. Der Beruf macht ihm großen Spaß, dennoch macht er sich Gedanken über eine neuerliche Einberufung. „Deshalb habe ich gut überlegen müssen, ob ich mich jetzt freiwillig melde oder es auf eine Zwangsverpflichtung ankommen lasse“, erklärt Hevesi. Müsste er jetzt zurück in den Zivildienst, könnte er seinen Beruf nicht mehr ausüben. Außerdem spielt das Geld eine Rolle. Zivildiener, die jetzt länger bleiben müssen, erhalten zur Grundvergütung von 346 Euro nur einen Zuschlag von 190 Euro, diejenigen, die sich jetzt freiwillig melden, erhalten auch eine zusätzliche Pauschalentschädigung von 1.140 Euro pro Monat, die den Verdienstentgang abfedern soll.

Diese Tatsache verursacht auch bei Franz David Bosch etwas Unmut. Er wurde in die Verlängerung geschickt, bekommt aber bedeutend weniger Geld als jene Kollegen, mit denen er noch im Dezember zusammengearbeitet hat, sich nun aber freiwillig gemeldet haben. „Ich bin gerne Rettungssanitäter, helfe gerne, aber dieser Unterschied für die gleiche Arbeit ist frustrierend,“ stellt Franz David fest. Zwischen ordentlichem Zivildienstende und Studiumsbeginn im Herbst hätte er einen Überbrückungsjob gefunden, wobei „die Firma jetzt selbst im Notbetrieb wegen der Corona-Krise läuft.“

Grundwehrdiener Florian Kärcher, Mitglied der Militärmusik NÖ, betrifft die Corona-Situation kaum, außer „dass der musikalische Betrieb momentan sehr eingeschränkt ist, weil keine Auftritte möglich sind.“ Dafür würden die jungen Männer jetzt eine intensivere militärische Ausbildung bekommen. „Außerdem geht meine Zeit sowieso bis Ende August.“

Major Sebastian Schubert vom Militärkommando NÖ bestätigt, dass die eine Hälfte des Tages der Vorbereitung auf einen möglichen Assistenzeinsatz dient. „Und die andere Hälfte wird trotzdem musiziert, durchaus eine Herausforderung, weil durch die großen Abstände zueinander auch größere Räume für’s Üben gefunden werden mussten.“ Einer von Kärchers Kameraden hätte am 31. März abgerüstet, muss jetzt aber doch länger bleiben. Für ihn sei das „halb so tragisch, muss ich wenigstens nicht zuhause herumsitzen, damit habe ich auch einen geregelten Tagesablauf.“ Seine Pläne, im Herbst zu studieren, sieht er nicht gefährdet.