20 Orte - 24 Premieren: Von Amstetten bis Weitra. 20 Orte spielen heuer in Niederösterreichs Theaterfest 24 Premieren – und das von Amstetten bis Weitra.

Erstellt am 02. Juli 2019 (14:16)

Was ihn ausmacht, den Theatersommer, in Niederösterreich? „Die Vielfalt“. Sagt sein Obmann. Genauer: der Obmann des zugehörigen Vereins, der fast alle von Niederösterreichs Sommertheatern unter seinem Dach vereint. Wobei der Obmann, also: Werner Auer, auch gleich einer von insgesamt 20 Intendanten ist, die da im Rahmen von Niederösterreichs Theaterfest zwischen Juni und September für großes und kleines Publikum spielen. Und: die heuer auch kräftig feiern. Das Theaterfest etwa, das 2019 ein Vierteljahrhundert alt wird. Und, auch das sagt sein Obmann, „so gut funktioniert wie lange nicht“.

Geburtstage gibt es diesen Sommer aber noch ein paar mehr. Im Stadttheater Berndorf etwa, wo man den 30er aber schon vergangenes Jahr gefeiert hat. Auf der Burg Gars, wo man seit 1989 große Oper vor und auf den Burgmauern spielt. Und zum 30-jährigen Jubiläum Leonore und Florestan zur Musik von Ludwig van Beethoven schmachten lässt. Oder in der Pölz-Halle Amstetten, wo man ebenfalls seit 1989 großes Musical spielt. Und zum Geburtstag Frank’n’Furter und seine Bande aus der „Rocky Horror Show“ eingeladen hat.

Noch ein bisschen älter als in Amstetten, Berndorf und Gars ist die Sommertheater-Tradition in der Wachau. Dort, in Weißenkirchen, feierte 1949 die erste Oper Premiere, 2000 die erste Komödie. Und dort, im malerischen Teisenhoferhof, geht man im 40. Jahr mit den Donauweibchen schwimmen.

20 Jahre jünger als die Wachaufestspiele ist Bruno Max’ Theater im Mödlinger Bunker. Dort wird, wegen großen Erfolges, heuer schon zum zweiten Mal scharf geschossen, oder besser: scharf gespielt, nämlich mit und über Karl May.

Und noch ein Geburtstagskind gibt’s beim 25. Theaterfest Niederösterreich. Und zwar die Rosenburg, wo Alexander Waechter vor genau 15 Jahren seinen ersten Shakespeare gespielt hat und Nina Blum vor genau fünf Jahren ihre erste Sommernachtskomödie. Heuer wird dort, im Zirkuszelt auf der Burgwiese, gerockt, und zwar mit „Amadeus“.

Gründe zum Feiern gibt’s aber noch ganz andere, im Sommer, im Theater. In Baden feiert man schon ein bisschen vor, bevor dann im Oktober Badens Stadttheater 110 wird. In Gutenstein feiert man gleich Weltpremiere, denn Prinzipalin Andrea Eckert hat sich von Schriftsteller Felix Mitterer ein Stück über Ferdinand Raimund gewünscht. Und das auch gleich höchst prominent mit Johannes Krisch in der Hauptrolle besetzt. Titel: „Brüderlein fein“.

In Klosterneuburg feiert man Welt-Star Daniela Fally, die gerade noch die Zerbinetta an der Mailänder Scala gesungen hat und mit Offenbachs Olympia in „Hoffmanns Erzählungen“ in den Kaiserhof des Stiftes zurückkehrt. In Langenlois feiert man diesen Sommer Abschied von Intendant Andreas Stoehr, bevor im nächsten Sommer Christoph Wagner-Trenkwitz das Operetten-Ruder übernimmt. In Retz steht gleich die nächste Uraufführung am Sommerprogramm, nämlich Wolfram Wagners Kirchenoper „Maria Magdalena“.

Und sonst? Spielt man „Sex in the Country“ im Asparner Filmhof, beherbergt man „Vogelhändler“ oder „Spinnenfrauen“ in Sommerarena und Stadttheater Baden . Spielt man am Haager Hauptplatz Shakespeare und im Perchtoldsdorfer Burghof Tschechow. Geht man in Laxenburg (doch nicht) an Bord des „Traumschiffs“, baut man in Melk „Babylon“, bevor man zum Mond fliegt. Vermietet man in Schwechat „Nestroys Wohnung“, fiebert man in Staatz mit dem „Graf von Monte Christo“, macht man sich in Stockerau „einen Jux“ und lacht man in Weitra mit der „Lustigen Witwe“.

Und die Kinder? Die dürfen in Melk mitfliegen, zur Mondmission, die dürfen in Schiltern mitsingen, wenn der rostige Ritter wieder reitet, die dürfen in Poysbrunn mitbrüllen, wenn Mogli durch sein „Dschungelbuch“ streift, die dürfen in Klosterneuburg Hoffmanns (jugendfreien) Erzählungen lauschen und in Mödling ihre Wünsche in den Himmel schicken, wenn „Heidi“ beim Alm-Öhi einzieht.