Reichenau: Blassblaue Frauenschrift.

Von Ewald Baringer. Erstellt am 08. Juli 2019 (09:38)
Dimov
Innig: Stefanie Dvorak (Vera) mit Joseph Lorenz (Leonidas) in Reichenau.

Franz Werfels Novelle in einer neuen Bühnenfassung von Nicolaus Hagg, inszeniert von Julian Pölsler, der schon bei Axel Cortis Verfilmung 1984 als Regieassistent mitwirkte: Das weckt Erwartungen. Das Ableben des großen Peter Matic (als Minister sprang nun Thomas Kamper ein) während der Proben war ein schlechtes Omen, das in der Aufführung atmosphärisch spürbar scheint als sublime Schockstarre. Joseph Lorenz brilliert als hoher Beamter zwischen feiner Contenance und leiser Panik, Stefanie Dvorak als einstige Geliebte darf nur wenig Kontur zeigen, Fanny Stavjanik ist die reiche Ehefrau. Opportunismus als karrierefördernder Faktor, Lebenslügen als Risiko: ein fürwahr zeitloses Thema, auch wenn die Handlung 1936 spielt.

Fazit: (Zeit-)Geschichte und (Privat-)Leben sind voneinander durchaus nicht unabhängig.