Reichenau: Der Ruf des Lebens.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 08. Juli 2019 (10:00)
Dimov
Abgründig: Johanna Prosl (Marie) mit Toni Slama (Moser) in Reichenau.

Sonnig und heiter? Ist es bei Arthur Schnitzler selten. Schon gar nicht, wenn erst ein „böser, alter Mann“ (abscheulich: Toni Slama) vergiftet, dann eine hemmungslose Gattin erschossen und schließlich noch ein lebenshungriges Mädchen (umwerfend: Alina Fritsch) dahingerafft wird. Ganz abgesehen von den strammen Kaiserregimentern, die, manche stolz, manche blind, haufenweise in den Tod reiten. Und doch hat da zwischen schmutzigen Fensterscheiben und wackeligen Schaukelstühlen die brave Tochter mit dem Schatten auf der Seele (herzzerreißend: Johanna Prosl) auch eine Lichtgestalt an ihrer Seite, nämlich den lebensklugen wie liebenswürdigen Doktor (großartig: Sascha Oskar Weis), der am Ende noch einen Sonnenstrahl ins Jammertal zaubert.

Fazit: Ein Seelenkrimi voller Tod und Elend – mit einem Funken Licht am Schluss. Packend!