Ist eine Enterbung rechtlich vertretbar?.

Erstellt am 12. August 2019 (11:53)
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Mag. Larissa Weingärtner, MA: Enterbung bedeutet den Entzug des Pflichtteils, sodass ein Verwandte und dessen Nachkommen zur Gänze aus dem Erbe ausgeschlossen werden. Selbstverständlich kann eine Enterbung nicht ohne Weiteres erfolgen, es müssen dafür triftige Gründe vorliegen. Lieblosigkeit alleine reicht nicht.

Wichtig ist, dass eine Enterbung min einer letztwilligen Verfügung (z. B. Testament) festgehalten werden muss und nicht automatisch eintritt. Ein Pflichtteilsberechtigter kann etwa enterbt werden, wenn er gegen den Verstorbenen oder eine mit diesem verwandte Person eine vorsätzlich gerichtliche strafbare Handlung begangen hat, die mehr als ein Jahr Freiheitsstrafe als Folge hat. Beispielsweise, wenn dem Erblasser eine absichtlich schwere Körperverletzung zugefügt wurde. Selbstverständlich ist ein Enterbungsgrund auch dann gegeben, wenn die Straftat des Pflichtteilsberechtigten mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wird.

Dadurch wird vermieden, dass ein Opfer seinem Mörder etwas vererbt. Auch wenn man sich absichtlich nicht an den letzten Willen des Verstorbenen hält, stellt dies
einen Enterbungsgrund dar. Ein weiterer Grund ist, wenn man den Verstorbenen zu Lebzeiten im Notstand im Stich gelassen hat, ihn in verwerflicher Weise seelisches Leid zugefügt hat oder seine familienrechtlichen Pflichten vernachlässigt.

Beispielsweise, wenn man gegenüber dem Erblasser die Hilfestellung/Pflege im Alter verweigert. Ob dies der Fall ist, kann schlussendlich nur ein Gericht klären. Wenn Sie eine Enterbung vermeiden wollen, sollten Sie sich gegenüber dem Erblasser entsprechend freundlich verhalten.

zVg Rechtsanwaltskammer NÖ

Mag. Larissa Weingärtner, MA
Rechtsanwältin in Hollabrunn
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