Kann man gegen Gebell von Nachbars Hund vorgehen?. Hat man die Möglichkeit, gegen das andauernde Gebell von Nachbars Hund vorzugehen?

Erstellt am 19. August 2019 (08:37)
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Mag. Andrea Friedl: Der „beste Freund des Menschen“ gibt oft Anlass zum Streit zwischen Nachbarn.

So möchte der eine einen Hund ohne Einschränkungen und Auflagen halten, der andere jedoch nicht durch Hundegebell gestört werden. Auch für die Gerichte stellt es eine Herausforderung dar, diese widerstreitenden Interessen gerecht abzuwägen.

Grundsätzlich gilt: Hundehalter sind gesetzlich verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass ihr Hund niemanden unzumutbar belästigt. Erreicht das Gebell des Nachbarhundes ein gewisses Ausmaß, kann man sich dagegen gerichtlich zur Wehr setzen und Unterlassung
fordern.

Dafür müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Der durch das Bellen verursachte Lärm überschreitet das ortsübliche Maß.

2. Die ortsübliche Nutzung des Nachbargrundstücks oder der Wohnung wird durch den Lärm wesentlich beeinträchtigt.

Was ortsunüblich ist oder als wesentliche Beeinträchtigung gilt, wird stets nach den konkreten Umständen des Einzelfalles beurteilt. Dabei kommt es insbesondere auf Lautstärke, Frequenz, Häufigkeit und Dauer des Gebells an.

Auch die Tageszeit spielt eine wesentliche Rolle, da nachts weit weniger Geräuscheinwirkungen toleriert werden müssen als tagsüber. Zusätzlich kann man bei übermäßiger Lärmbelästigung durch Hundegebell auch Anzeige bei der Polizei erstatten, was eine Geldstrafe für den Hundehalter nach sich ziehen kann.

Praxistipp: Um Lärmbeeinträchtigungen im Streitfall nachweisen zu können, ist es wichtig, Datum, Uhrzeit, Dauer und Intensität des Gebells zu dokumentieren und Zeugen (Mitbewohner, Besucher …) zu finden.

zVg Rechtsanwaltskammer NÖ

Mag. Andrea Friedl
Rechtsanwältin in Tulln
02272/61866
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Eine Kooperation der NÖN mit der Rechtsanwaltskammer NÖ.
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