Familienrecht.

Erstellt am 19. Februar 2019 (13:50)
Symbolbild

Sollte eine einvernehmliche Trennung/Scheidung nicht erreichbar sein, welche Möglichkeiten gibt es?

Mag. Andrea Schmidt: Für eine einvernehmliche Scheidung müssen sich beide Ehegatten neben dem Umstand der Ehescheidung auch über die Aufteilung des ehelichen Vermögens bzw. der Schulden sowie der unterhaltsrechtlichen Ansprüche einig sein. Auch Regelungen betreffend gemeinsame minderjährige Kinder müssen im Einvernehmen getroffen werden. Nicht immer lässt sich Einigung zu all den oben genannten Punkten erzielen. Gestützt auf die im Gesetz aufgezählten Scheidungsgründe, vorwiegend Eheverfehlungen, muss in diesen Fällen eine Scheidungsklage eingebracht werden.

Wenn die häusliche Gemeinschaft der Ehegatten seit drei Jahren aufgehoben ist, so kann die Scheidung wegen tiefgreifender unheilbarer Zerrüttung beantragt werden. Wenn die Zerrüttung aber auf den klagenden Ehegatten selbst zurückzuführen ist, kann diese Scheidung dennoch misslingen. Unabhängig von diesem Einwand ist eine Scheidung nach sechs getrennten Jahren auszusprechen.

Durch das Gericht kann die Ehe aufgehoben werden, wenn die Eheschließung bspw. mit einem Irrtum behaftet ist. Derart ehebelastende Umstände sind zum Beispiel die Zeugungsunfähigkeit oder schwerwiegende ansteckende Erkrankungen, aber auch schwere Charaktermängel und psychische Defekte.

Eine rückwirkende Auflösung der Ehe ist möglich, wenn ein Ehepartner zur Zeit der Eheschließung geschäftsunfähig war oder auch, wenn eine Namens- oder Staatsangehörigkeitsehe vorliegt. Auch Doppelehen und Verwandtschaftsehen können so aufgelöst werden. Es wird damit wieder der Zustand hergestellt, der vor der „Ehe“ bestand.

zVg Rechtsanwaltskammer NÖ

Mag. Andrea Schmidt

Rechtsanwältin in St. Pölten
0680/1419142
recht@andreaschmidt.at

Eine Kooperation der NÖN mit der Rechtsanwaltskammer NÖ. www.raknoe.at