Familienrecht.

Erstellt am 16. April 2018 (00:01)
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Doppelresidenz – was bedeutet das für Kind und Eltern?

Dr. Peter Urbanek: Seit 23. 10. 2015 ist die Vereinbarung der Doppelresidenz im Sinne des Kindeswohls zulässig. Die Rechtsprechung nimmt eine Doppelresidenz bereits bei einem Verhältnis von 4:3 Besuchstagen in der Woche an. Im Vergleich: Das übliche Besuchsrecht findet alle 14 Tage über das Wochenende und mit vier Wochen in den Ferien statt. Unabhängig vom Betreuungsmodell müssen die Eltern bzw. das Gericht festlegen, bei welchem Elternteil sich das Kind hauptsächlich aufhält. Dieser Domizilelternteil erfüllt seine Unterhaltsverpflichtung durch die Betreuung des Kindes, der andere Elternteil ist geldunterhaltspflichtig. Beim Betreuungsmodell der Doppelresidenz kann die Unterhaltszahlungsverpflichtung des geldunterhaltspflichtigen Elternteils ganz oder weitestgehend entfallen.


Ist das Einkommen der Eltern etwa gleich hoch, besteht überhaupt kein Geldunterhaltsanspruch mehr. Im Vergleich dazu kommt es im Rahmen des üblichen Besuchsrechts nur zu einem Abschlag von zehn Prozent pro wöchentlichem Betreuungstag, sofern die Betreuung gering über das übliche Maß hinausgeht. Viele Eltern sind sich nicht bewusst, dass sich bei gleichteiliger Betreuung der besserverdienende Elternteil auch an langlebigen Anschaffungen, wie z. B. Kleidung, zu beteiligen hat. Im Rahmen des üblichen Kontaktrechts ist der Anspruch mit Zahlung des Prozentunterhalts bereits erledigt. Die Wohnsitze der Eltern müssen auch in einer vertretbaren Nähe zueinander sein, um dem Kind das bisher gewohnte Lebensumfeld zu erhalten. Bei der Wahl des Betreuungsmodells sollten diese Faktoren vorab überprüft werden.

zVg Rechtsanwaltskammer NÖ

Dr. Peter Urbanek
Rechtsanwalt in St. Pölten
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