Nachbarschaftsrecht.

Erstellt am 24. September 2018 (00:01)
Symbolbild

Die Hühner des Nachbarn laufen frei herum und auch auf andere Grundstücke – ist das erlaubt?

Mag. Robert Steinacher: Der Eigentümer eines Grundstücks kann unter bestimmten Umständen Unterlassungsansprüche gegen Einwirkungen vom Nachbargrundstück geltend machen. Auch unerwünschte Nachbarstiere können solche Einwirkungen sein. Die Voraussetzungen für einen Abwehranspruch variieren aber je nach Tiergattung.
Wenn das Eindringen der Tiere nach ihrer Beschaffenheit unvermeidbar ist, etwa bei Insekten, Tauben oder Mäusen, steht ein Abwehranspruch nur dann zu, wenn die Einwirkungen nicht ortsüblich sind und zusätzlich die Benutzung des Grundstückes wesentlich beeinträchtigen. Auch gegen die streunende Nachbarskatze kann nach der Rechtsprechung nur unter den eben genannten Voraussetzungen vorgegangen werden. Gerade am Land ist es üblich, dass Katzen frei herumlaufen. Den Besuch der Nachbarskatze muss man daher in der Regel dulden.

Wie steht es nun aber um die Freilandhühner des Nachbarn? Bei größeren Tieren, wie Schafen, Ziegen oder Hunden, ist es dem Grundeigentümer grundsätzlich möglich, ein Eindringen auf das Nachbargrundstück mit zumutbaren Maßnahmen zu verhindern. Kommt ein solches Tier auf Ihr Grundstück, haben Sie daher ohne weitere  Voraussetzungen einen Unterlassungsanspruch gegen den Nachbarn. Die Gerichte zählen nun seit einiger Zeit auch Hühner zu diesen größeren Tieren. Während freilaufende Hühner früher noch verbreitet waren, überwiegt heute nämlich die eingezäunte Haltung.
Sollten die Hühner des Nachbarn also ungebeten auf Ihr Grundstück spazieren, weil sie nicht eingezäunt sind, steht Ihnen ein Unterlassungsanspruch zu.

 

zVg Rechtsanwaltskammer NÖ

Mag. Robert Steinacher
Rechtsanwalt in St. Pölten
02742/351550
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