E-Learning: Wie geht das?. Lehrer Christoph Helfer gibt Einblick in seine Arbeit in Zeiten der Coronakrise: „Vieles wird da plötzlich möglich im nicht alltäglichen Schulalltag.“

Von Doris Firmkranz. Erstellt am 03. April 2020 (04:52)
Christoph Helfer unterrichtet an der HAK/HAS Tulln Deutsch, Geschichte, Zeitgeschichte, Internationale Wirtschafts- und Kulturräume sowie Darstellendes Spiel – derzeit aus dem eigenen Arbeitszimmer.
privat

Vor große Herausforderungen gestellt sind dieser Tage auch Schüler sowie deren Eltern und Lehrer. Auch für Christoph Helfer, Lehrer an der HAK/HAS Tulln, findet der Unterricht derzeit nicht gemeinsam unter dem Dach der Schule statt, sondern in den eigenen vier Wänden.

„,Distance learning‘ ist Lernen auf Distanz, ohne sich dabei aus den Augen zu verlieren“, erklärt der Pädagoge. Der Austausch zwischen Lehrern und Schülern sei zum Teil sogar intensiver als sonst, und die Arbeit geht weiter für alle Beteiligten.

„,Distance learning‘ ist Lernen auf Distanz, ohne sich dabei aus den Augen zu verlieren“,

Helfer schildert, wie „Schule ohne Haus“ für ihn abläuft: „Mein Schultag beginnt kurz vor 8 Uhr und spielt sich zu fast 100 Prozent vor dem Computer ab. Also ab ins Arbeitszimmer, PC hochfahren und schauen, was so eingetrudelt ist an Schüler-Rückmeldungen. Die abgegebenen Aufgaben kann man gleich am Computer korrigieren, mit Kommentaren versehen und an die Betreffenden zurückgeben.“ Da werden Aufsätze geschrieben, Übungen zur Rechtschreibung und Grammatik gemacht, Präsentationen gezeigt und das eine oder andere Quiz gelöst.

Helfer: „Ja, sogar Präsentationen und Referate sind möglich. Die Schüler filmen sich selbst beim Referieren oder kommentieren Plakate oder Powerpoint-Präsentationen aus dem Off. Vieles wird da plötzlich möglich im nicht alltäglichen Schulalltag.“ Zwischendurch gibt es immer wieder Fragen im Chat oder per Mail.

Probleme sind hauptsächlich technischer Natur. Etwa wenn das Netz überlastet ist, ein Drucker das Zeitliche gesegnet hat oder eine Webcam nicht das tut, was man von ihr erwartet.

Wenn das alles aufgearbeitet ist, dann geht es an das Entwerfen neuer Arbeitsaufträge. „Da wir zur Zeit ja keinen neuen Stoff vermitteln, sondern das bereits Gelernte wiederholen, festigen und vertiefen, gilt es, immer wieder etwas zu finden, das diesen Vorgaben entspricht. Es soll sich aber auch unter den derzeitigen Umständen technisch und im passenden Zeitrahmen umsetzen lassen und – ganz wichtig meiner Meinung nach – auch eine gewisse Abwechslung, im besten Fall sogar eine Art Unterhaltungswert bergen.“

Die Umstellung aufs E-Learning war nicht allzu aufwendig oder schwierig, wie Helfer betont. „Nicht nur die Schüler des Ausbildungsschwerpunktes digit@l, sondern alle Klassen und Jahrgänge waren auch schon vor der jetzigen Ausnahmesituation mit digitalem Arbeiten vertraut. All das erleichtert den Umstieg vom Unterricht in der Klasse zum Unterricht in den eigenen vier Wänden enorm.“

Optimistisch in der historischen Situation

Aufgelockert wird der Alltag durch den Austausch mit Kollegen mittels Telefon oder Nachrichten. Kürzlich fand eine Aktion über soziale Medien und Schulhomepage statt. Dabei dankten die Lehrer mittels Fotos und Kurzbotschaften ihren Schülern für ihr tolles Mittun und Durchhalten und ermutigten sie, sich weiterhin ihre Freude an dieser Form von Lernen zu bewahren.

Helfer: „Wir sind optimistisch und kommen mit der neuen, fast will man als Geschichtswissenschaftler sagen, historischen Situation überraschend gut zurecht. Langweilig wird uns ganz und gar nicht.“ Und trotzdem: Lehrer, Schüler und Direktion freuen sich schon heute darauf, wenn es wieder jeden Tag zur Schule nicht nur die paar Schritte ins Arbeitszimmer, an den Schreib- oder Küchentisch geht, sondern zur Donaulände 64.