Andy Marek: Sein letzter Auftritt beim SK Rapid. Nach 27 Jahren und 599 moderierten Heimspielen beendete der Groß-Sieghartser Andy Marek aus gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeiten beim SK Rapid Wien.

Von Bernd Dangl. Erstellt am 17. Februar 2020 (06:45)

Der Abschied

„Bist du narrisch, is des geil!“ – Andy Marek konnte bereits vor Anpfiff „seines“ Finales die Emotionen und Tränen nicht mehr verbergen. Auf sein legendäres „Wo san die Rapid-Fans?“ brandete lautester Jubel im Allianz Stadion des SK Rapid auf, begleitet von endlos scheinenden „Andy Marek“-Sprechchören.

Es ist wohl eher die absolute Seltenheit, dass bei einem Fußballspiel der Tipico Bundesliga nicht das Spiel selbst im Vordergrund steht, sondern der Mann, der dieses stimmlich begleitet. Für den 57-jährigen Groß-Sieghartser Andy Marek war das Rapid-Spiel gegen WSG Tirol sein 599. Heimspiel und zugleich sein letztes – und vermutlich auch sein schwerstes. Was 1992 begann, endete für Marek nun am Sonntag. Nach einer „heftigen“ Krankheitsdiagnose, die Marek im vorigen Herbst erhalten hatte, entschied er sich, seine Agenden bei Rapid, wo er ja auch Klubservice-Leiter war, zurückzulegen. Bezüglich seiner Krankheit geht es für Marek zwar „steil bergauf“, der Rapid-Virus scheint aber unheilbar.

„Ab jetzt werde ich die Spiele aber richtig als Fan auf der Tribüne genießen können.“ Die Fans dankten es „ihrem“ Andy nicht nur mit einem riesigen Banner, sondern mit immer kehrenden lautstarken Kundgebungen.

Der Beginn

Alles begann im Jahr 1992, als Marek, der für seine Modekette in Wien einkaufen war, in einem Lokal beim Zeitungslesen eine Annonce las: „Rapid sucht Stadionsprecher.“ Ein Telefonat später stand er bereits auf der Bühne beim „Tag der offenen Tür“, holte den damaligen Trainer Gustl Starek auf die Bühne, überzeugte mit seinem Auftreten und hatte daraufhin den Job in der Tasche.

„Der schlafende Riese“. Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek würdigte Mareks Verdienste um den Verein. „Du hast einen schlafenden Riesen geweckt“, sagte er in Richtung des Waldviertlers. In der Tat war es Marek, der das Klubservice kontinuierlich aufbaute, leitete und mit seinen innovativen Ideen dazu beitrug, dass nicht nur Rapids Merchandising-Abteilung extrem anwuchs, sondern sich der Zuschauerschnitt fast vervierfachte. Allein bei Mareks Abschiedsspiel am Sonntag gegen Tirol waren 22.000 Fans mit dabei. Neue Merchandising-Produkte gab‘s übrigens auch extra für dieses Spiel: Ein Marek-Konterfei zierte genauso ein T-Shirt wie einen Schal oder einen Trinkbecher.

Die Erinnerungen

Mit der Frage, ob er denn ein Buch schreiben möchte, wurde Andy Marek bereits ernsthaft konfrontiert. Geschichten abseits des Rasens gäbe es sehr viele zu erzählen, einige davon würden wohl eher in die Kategorie „Verschluss-Akt“ fallen. Eine amüsante Story plauderte Marek zuletzt aber in einem eigens für ihn einberufenen Online-Fan-Talk aus. So meldete sich Hütteldorfs „Fußball-Gott“ Steffen Hofmann beim gemeinsamen Skiausflug in die Gruppe der „Top-Skifahrer“ – ohne zuvor jemals auf Ski gestanden zu sein. Mit allen erdenklichen Mitteln schaffte es Marek schließlich doch, den Deutschen auf der „Franz Klammer-Weltcupstrecke“ in Bad Kleinkirchheim sicher ins Ziel zu bringen.

Aber nicht nur solche Schmankerl erlebte Marek zuhauf, sondern war auch bei vielen sportlichen Erfolgen mit dabei. Dazu zählen Meistertitel, Europacupfinale sowie weitere Ausrufezeichen auf internationaler Ebene. Von einer dieser Reisen nahm sich Marek auch ein persönliches „Andenken“ mit nach Hause, was später zu einer Art Markenzeichen wurde. „Beim Europacupspiel bei 1860 München schrie der Stadionsprecher nach einem Tor ‚Danke‘, die Zuseher ‚Bitte‘.

Das habe ich dann übernommen“, so Marek, der ansonsten „eigentlich keine Vorbilder“ in Sachen Moderation hatte. Ewig in Erinnerung bleiben ihm nicht nur die Auftritte mit dem österreichischen Nationalteam, sondern auch die Moderationen wie in Old Trafford in Manchester, oder im Istanbuler Fenerbahce-Stadion, wo er als erster Nicht-Türke am Mikro war.

Die Zukunft bei Rapid

Mareks Agenden als Klubservice-Leiter übernahm Klaus-Peter Aumayr, jene des Stadionsprechers bleiben aber in der Familie: Sohn Lukas, 22 Jahre jung, Kicker beim 1. Klasse-Verein SV Groß-Siegharts, bisher bereits beim Rapid-TV und diversen Stadion-Moderationen tätig, wird die neue Rapid-Stimme. Marek bat bei seiner Abschiedsrede vorm „Block West“, wo die organisierten Fan-Klubs beheimatet sind, um „eine faire Chance“ für den Junior. „Ich war in diese Entscheidung nicht eingebunden. Lukas wurde gefragt, ob er es machen will, weil er sich bewährt hat. Er hat das Gespür für Rapid.“

Die persönliche Zukunft

„Gesund werden“ steht nun an oberster Stelle – das hätten ihm die Ärzte auch zugesichert. Moderieren wird Marek weiter – „von irgendetwas muss ich schließlich auch leben.“ Sport („viel Radfahren“) steht am Plan. „Eine Rapid-Legende hat mich schon gefragt, ob ich zu golfen beginne – aber das lasse ich noch sein.“ Fix ist auch, dass Marek „wenn es gewünscht wird“ Rapid als Berater zur Verfügung steht. Am Sonntag war offiziell sein letzter Arbeitstag, am Montag ging‘s nochmals ins Büro, die letzten Sachen abholen …