Ernte 2020: Regen kam noch rechtzeitig. Probleme bei Wiesen im Bezirk Waidhofen durch zu viel Nässe. Für andere Kulturen kam Regen gerade noch rechtzeitig.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:19)
Bezirksbauernkammerobmann Nikolaus Noé-Nordberg erwartet heuer eine durchschnittliche Ernte.
Gerald Muthsam

Extreme Trockenheit im Frühjahr, gefolgt von teils heftigen Niederschlägen im Juni, stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Wir wirkt sich die bisherige Wetterlage auf die Ernte aus?

„Bei Grünland, also Wiesen, sieht es im Moment ganz schlecht aus“, berichtet Bezirksbauernkammerobmann Nikolaus Noé-Nordberg. „Im Frühjahr gab es durch die lange Trockenheit so gut wie keinen Zuwachs, und durch die großen Niederschläge zuletzt sind große Flächen gar nicht befahrbar.“ Das Gras stünde auch schon etwas zu lange und fange an zu verholzen. Dadurch sinke auch wieder der Futterwert.

„Generell ist der Witterungsverlauf für den Bezirk Waidhofen jedoch nicht so schlecht verlaufen“, kann Noé-Nordberg entwarnen. „Die Niederschläge sind dann doch noch rechtzeitig gekommen, um die Trockenheit etwas zu kompensieren, wenn auch nicht zu 100 Prozent. Die Feldfrüchte stehen sehr gut, sofern sie nicht von den letzten Unwettern geschädigt worden sind. Regionen wie Kautzen wurden extrem vom Hagel getroffen.“

Der Mais habe heuer eine etwas schwierigere Phase durchgemacht, weil es für ihn einfach zu kühl sei. „Wenn es aber einen Wetterumschwung gibt, kann er das auch wieder ausgleichen“, ist Noé-Nordberg zuversichtlich. „Bei den Erdäpfeln ist grundsätzlich die Wasserversorgung gegeben, jedoch besteht ein sehr hoher Krankheitsdruck, wie wir ihn schon lange nicht mehr hatten. Im Allgemeinen schauen die Bestände jedoch gut aus.

Kartoffeln mögen keine Staunässe

Bei Lagerhaus-Obmann Gerhard Bayer aus Matzles sind durch den Starkregen Verschwemmungen an den Feldern aufgetreten. „ Es gab Bodenabtrag bei Kartoffeln und Mais. Bei Kartoffeln gibt es kleinräumige Schäden durch Stausenken, das vertragen sie nicht“, weiß Bayer. „Im Juni habe ich 195 Liter Niederschlag gemessen und im Mai waren es auch 92 Liter.“

Bei Getreide sei keine Rekordernte zu erwarten. Kartoffeln schauen zur Zeit gut aus, hier würden jedoch auch noch die nächsten zwei Monate entscheiden.

Ein Ausläufer des Hagels hat auch Felder des Biobauern Karl Ringl aus Rappolz erwischt. „Der Hanf ist in Mitleidenschaft gezogen worden“, bedauert er. Seine Spezialkulturen stellen immer eine besondere Herausforderung dar. Vor allem die Saat bei Trockenheit. „Bei dem kleinen Korn des Mohns ist es schwierig, dass die Keimung passt“, erzählt Ringl.

Staunässe mache sich auch besonders bei den Linsen bemerkbar. „Die sind diesbezüglich sensibel und mögen keine nassen Füße“, weiß er. „Genauso wie die Färberdistel. Die Dille zeigt auch Stress und hat verbreitet Blattläuse.“ Die Ernte werde nach seinen jetzigen Beobachtungen unterschiedlich sein. Bei Mohn und Linsen werde es sicher keine Spitzenernte, bei Hafer und Leinsamen werde der Ertrag in Ordnung sein.

Da sie vom Hagel verschont geblieben seien, schaue es momentan nicht so schlecht aus, berichtet Bezirksbäuerin Renate Kainz aus Kleinzwettl. „Durch die Nässe leidet das Getreide jedoch unter vielen Krankheiten. Die Äpfel und Birnen in unserem Obstgarten schauen aber gut aus.“

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