Man tritt mehr in die Pedale. Das Rad ist seit Corona sehr gefragt, sagen Touristiker, Händler und die Radlobby.

Von Gerald Muthsam und Karin Widhalm. Erstellt am 24. Juni 2020 (04:45)
Die neu gegründete Radlobby besteht aus Mitgliedern, die in ihrer Freizeit und im Alltag zum Einkaufen oder zum Arbeitsplatz mit dem Rad fahren. Manche legen Strecken wie von Kautzen bis zum Bahnhof Schwarzenau zurück oder touren gleich bis nach Frankreich: Nadezda Polakova, Martin Beranek, Elisabeth Müller-Ozlberger, Peter Ozlberger, Florian Kainz, Christoph Becker, Andrea Röglsperger, Martin Litschauer und Karl Zauner, der Chef der Radlobby NÖ.
Radlobby NÖ

Die Radlobby NÖ hat in Waidhofen eine neue Gruppe (mehr auf Seite 6): Das allein kann als Zeichen gedeutet werden, dass diese Fortbewegungsart gerade einen Boom erlebt. Radlobby-Gruppensprecherin Andrea Röglsperger beobachtet den Aufschwung seit einigen Jahren, „auch durch das verstärkte Klima-Bewusstsein“.

Die Coronakrise habe den Boom weiter verstärkt: „Radfahren war während der Ausgangssperre eine willkommene Abwechslung und eine der wenigen erlaubten Sportarten“, seien viele Gelegenheitsradler auf den Geschmack gekommen. „Zum Beispiel war auf der Thayarunde merklich mehr Radverkehr.“ Dieser Weg, der großteils auf alten Bahntrassen verläuft, ist ein Anziehungspunkt für Touristen: 40 Prozent davon kommen aus Tschechien, berichtet Tourismus-Manager Willi Erasmus. Dieser Anteil ist während der coronabedingten Grenzschließung nahezu gänzlich von heimischen Radfahrern ersetzt worden.

„Wir haben also in dieser Phase fast keinen Rückgang feststellen können, teilweise hatten wir sogar höhere Zahlen als im Vorjahr, das ohnehin schon ein Rekordjahr war“, schildert Erasmus. 25.801 Radler seien von Jänner bis Juni gezählt worden: „Das sind 13,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.“

Unterwegs seien aber auch Radler aus anderen Bundesländern gewesen, wie Autokennzeichen verraten haben. Deutsche Gäste seien vermehrt in den vorigen Wochenenden gesehen worden. „Bei gutem Wetter haben wir auf jeden Fall eine starke Frequenz, und das kann man als anhaltenden Trend beobachten“, sagt Erasmus.

Handel merkt Boom & hat gar Lieferprobleme

Der Boom macht sich entsprechend im Handel bemerkbar. „Wir profitieren von Corona, womit wir eigentlich nicht gerechnet haben“, zeigt sich Thomas Deimel von Intersport Ruby überrascht. „Dadurch, dass die Zeit auch gerade passend war und viele die Zeit zuhause nützen wollten oder nicht auf Urlaub fahren, kaufen sie sich gerade ein E-Bike.“

Lieferprobleme gebe es schon bei Großhändlern: „Es ist derzeit nicht einfach, wenn man ein bestimmtes Rad haben will“, weiß Deimel. Die Nachfrage nach E-Bikes sei kontinuierlich gestiegen, 2020 nochmals mehr. Der Anteil liege bei 60 Prozent.

„Ich betreibe nur wenig Verkauf sondern hauptsächlich Service, aber man merkt schon, dass es extrem ist“, schildert Robert Weber, der „Robert’s Radservice“ in Waldkirchen betreibt.

„Hauptsächlich arbeite ich in der Werkstatt des Sportgeschäfts Kastner in Zwettl, und da geht es schon rund. Die Branche ist eine der wenigen, die durch Corona einen Vorteil hatten.“ Das bestätigt Marcel Erhard, der in Münchreith E-Bikes verleiht und verkauft: „Ich habe momentan mehr Anfragen als Räder zur Verfügung.“

Wie sieht die Rad-Infrastruktur im Bezirk aus? „Größtenteils sehr gut“, sagt Röglsperger. Nachbesserungsbedarf sieht die Radlobby sehr wohl. Einige Kreuzungen seien gerade für Kinder und Ältere schwierig zu bewältigen. Nebenstraßen seien zum Teil in schlechtem Zustand. Radfahrer müssen im Freiland (etwa von Eisgarn nach Waidhofen) verkehrsreiche Straßen nutzen oder große Umwege in Kauf nehmen. Waidhofen weise enge und gefährliche Stellen auf, besonders das Einbahn-Dreieck beim Hauptplatz.

Überhaupt will man sich dafür einsetzen, dass mehr auf die Bedürfnisse der Radfahrer eingegangen wird. Die Radlobby nennt aber auch Positivbeispiele: Gern gesehen ist der überdachte Abstellplatz beim Landesklinikum und die Erlaubnis zum Radfahren im Park. Und ein Radweg ist beim Lagerhaus-Areal Mitterweg geplant.

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