Weltneuheit: Handtuch aus Alpakawolle. Weberei Wirtex und Alpaka-Züchter Harald Vogler entwickelten ersten Frotteestoff aus Alpaka-Wolle. Wertvollste Naturfaser der Welt wurde bisher nicht verwebt.

Von Michael Schwab. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:55)
Frühwärts - Weltneuheit: Handtuch aus Alpakawolle
Eine potenzielle Weltneuheit – Handtücher aus Alpaka-Wolle: Sonnseitnhof-Betreiber Harald Vogler, Textiltechniker Walter Greulberger und Wirtex-Geschäftsführer Rudolf Strobl mit Alpakas vor einem Webstuhl.
Michael Schwab

Aus zufälligen Bemerkungen entstehen manchmal die tollsten Ideen – so auch im Zuge eines Gesprächs zwischen dem Textiltechniker Walter Greulberger und dem Sonnseitnhof-Betreiber Harald Vogler auf dem Parkplatz vor der Weberei Wirtex kurz vor Weihnachten.

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Ein Alpaka-Kopf prangt als Markenzeichen auf den Handtüchern.
Michael Schwab

„Wir haben etwas besprochen, und da meinte ich, jetzt brauchen wir nur mehr etwas aus Alpaka-Wolle. Harald hat den Gedanken in zwei Sekunden aufgeschnappt“, erinnert sich Greulberger im Gespräch mit der NÖN. Sieben Monate später, in der vergangenen Woche, wurde die erste Charge Handtücher aus Waldviertler Alpaka-Wolle produziert.

„Soweit wir das im Zuge unserer Recherchen in Erfahrung bringen konnten, ist das eine Weltneuheit. Bisher wurde nämlich Alpaka-Wolle noch nirgends zu Frotteestoff verarbeitet“, merkt Greulberger stolz an.

Bisher nutzte Vogler die Wolle seiner Alpakas, die jährlich Mitte bzw. Ende Mai geschoren werden, für Einlagen für Decken oder Schuhe. Verwebt wurden die Fasern, die laut Vogler auch als „Vlies der Götter“ bezeichnet werden und als die weltweit wertvollste Naturfaser gelten, bisher nicht.

Einiges an Tüftelei und Experimenten nötig

Um die Idee vom Parkplatz-Gespräch in einen praktikablen Herstellungsprozess zu überführen war einiges an Tüftelei und Experimenten notwendig. Zuerst galt es, jemanden zu finden, der die Wolle zu Garn verarbeiten kann, und das möglichst in der näheren Umgebung, denn die Herstellung sollte nachhaltig sein und ohne lange Transportwege ablaufen. „Das ist uns gelungen, alle Verarbeitungsschritte vom Waschen bis zum Cutten und Spinnen passieren in Nieder- bzw. Oberösterreich“, betont Vogler.

Greulbergers Aufgabe war es, die Garn-Herstellung und die Verarbeitung am Webstuhl abzustimmen: „Seit Weihnachten haben wir viel experimentiert. Wir mussten erst herausfinden, wie man Alpaka-Wolle zu Garn verarbeitet. Da steckt viel Know-How dahinter“, erklärt Greulberger.

Für die Herstellung der Handtücher kommt nur Wolle in der höchsten Qualitätsstufe A in Frage. Aufgrund der unterschiedlichen Fellfarben der Tiere und der Vermischung der Wolle bei der Garnherstellung sind die fertigen Produkte in gewisser Weise Unikate: „Jede Charge wird einen etwas anderen Effekt aufweisen. Die Handtücher haben die natürliche Farbe der Wolle, also einen bräunlichen Farbton, der aber von Charge zu Charge leicht unterschiedlich ausfallen kann“, erläutert Greulberger. Dafür handelt es sich um ein echtes Naturprodukt aus Bio-Alpakawolle. Als Markenzeichen ist ein weißer Alpaka-Kopf eingewebt.

Handtücher am Sonnseitnhof und bei Wirtex erhältlich

Die Handtücher sollen zunächst im Shop auf Voglers Sonnseitnhof in Bad Großpertholz und bei Wirtex in Frühwärts sowie in den zugehörigen Online-Shops erhältlich sein. Im Alltag können diese Handtücher genauso wie herkömmliche Frotteetücher verwendet werden. „Sie können ganz normal mit 60 Grad gewaschen werden, man sollte nur ein Feinwaschmittel verwenden. Sonst muss man nichts beachten“, versichert Greulberger.