Öffnung der Ordination: Ärztin startet im Juli durch. Wiener Allgemeinmedizinerin Angelika Pallisch entschied sich für den Weg in die Selbstständigkeit im Waldviertel, um dem Spitaldasein entfliehen zu können.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 26. Juni 2020 (05:30)
Zusammentreffen in der neuen Ordination am vorigen Freitag: Vizebürgermeister Michael Litschauer, StadtamtsdirektorJochen Strnad, Sabine Maier, Angelika Pallisch, Stefan Guthoff, UlrichAchleitner und Stadtrat Andreas Peschel.
Karin Widhalm

Angelika Pallisch bezieht gerade mit Stefan Guthoff, der als Ordinationsmanager fungiert, ihre ebenerdige Praxis im Technologie- und Bildungszentrum am Schlossplatz. Gestartet wird am 1. Juli. „Ich war mehr als 20 Jahre im Angestelltenverhältnis, jetzt habe ich genug vom Spitaldasein“, entschied sich die praktische Ärztin für eine Ordination am Land.

Pallisch war in öffentlich und (zuletzt) privat geführten Krankenhäusern, nebenbei etwa für den Ärztefunkdienst tätig. Der Reiz der Selbstständigkeit liege in der Beziehung, die die Ärztin zum Patienten aufbauen kann. „Ich habe immer gerne mit Menschen gearbeitet.“

Die gebürtige Wienerin behält den Hauptwohnsitz in Wien, bezieht aber eine Wohnung in Groß Siegharts. Sie kennt das Waldviertel gut: Onkel und Tante leben in Thuma. „Ich habe viel freie Zeit hier verbracht, für mich ist es ein bisschen ‚back to the roots‘“, lächelt Pallisch.

Die Stadt tat ihr Übriges: „Was diese kleine Gemeinde mit einer Effizienz gemacht hat und das vom Bürgermeister abwärts, das sieht man in Wien nicht“, lobt Guthoff. Die Handwerker, die den früheren Seminarraum umgebaut haben, seien ebenso sehr bemüht gewesen.

Allen Grund zum Strahlen hat Bürgermeister Ulrich Achleitner: Er darf sich über eine Vollzeitkassenärztin freuen. Der Ärztemangel ist in Groß Siegharts mehr als spürbar. Pallisch führt die Problematik grundsätzlich auf Ausbildungsbeschränkungen zurück, zudem muss sich ein angehender Arzt für eine Richtung entscheiden: „Früher war jeder ein Allgemeinmediziner, bevor er eine Fachausbildung gewählt hat.“

Sie selbst beschreitet mit 55 Jahren einen neuen Weg: „Was spät ist, aber ich habe viel Erfahrung. Und da ich immer gerne etwas Neues gemacht habe, lasse ich mich auf dieses Abenteuer ein.“ Sabine Maier aus Echsenbach ist ihre Ordinationshilfe, Anita Dolezal (Karlstein) die Reinigungsfee. Die medizinischen Geräte werden noch ausgepackt „und dann warten wir auf die großen und kleinen Patienten“, freut sich Pallisch darauf.