Projekt mit Norwegen: Dorfschule rückt nordwärts. „Montessorihaus“ fördert Austausch der Schüler, der nicht nur an der Oberfläche kratzt.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 20. September 2019 (04:22)
Dorfschule Montessorihaus
Uwe Kranner und Harald Steiner vor der Schule in Ekkerøy im Norden Norwegens, die 3.400 Kilometer von der Dorfschule Kleineberharts entfernt ist.

Die Dorfschule Montessorihaus organisiert mit drei österreichischen und einer norwegischen Schule ein internationales Projekt, das zwei mehrwöchige Aufenthalte der Oberstufenschüler in Norwegen beinhaltet. Die norwegischen Schüler werden nach Österreich kommen, um die heimische Natur und Kultur zu studieren.

„PhenoConnect“ ist der Titel des zweijährigen Projektes, der sich aus Phänologie (Lehre der regelmäßigen Erscheinungen in der Natur im jahreszeitlichen Verlauf) und Connection (englisch für Verbindung) zusammensetzt, und genau darum geht es den beteiligten Schulen. Die Schüler lernen zuerst ihre Region durch regelmäßige Wetteraufzeichnungen und Dokumentationen biologischer Besonderheiten besser kennen, werten die Ergebnisse aus und teilen diese virtuell mit den Partnerschulen. Neben der Waldvierter Dorfschule nehmen jeweils eine Schule aus Linz, Melk, Marchegg und Tana in Nordnorwegen teil.

„Ein gemeinsames Europa ist bei uns keine Floskel, sondern wird tatsächlich gelebt“, erklärt Uwe Kranner, Leiter der Oberstufe. Für die Jugendlichen sei das eine einzigartige Chance, „eine Schule im hohen Norden“ zu besuchen. Die Schüler stellen als Gastgeber den Projektteilnehmern ihren Lebensraum vor, beschreiben lokal vorkommende Tier- und Pflanzenarten, tauschen Fotos, Videos und Lernunterlagen aus, erstellen eine eigene Homepage und verbessern durch das englischsprachige Projekt ihre Fremdsprachenkenntnisse. Dafür richten die zwölf- bis 18-jährigen Schüler einen virtuellen Klassenraum ein, in dem sich die Schüler per Videokonferenz regelmäßig austauschen und voneinander lernen.

Forschungsreise für einen Monat geplant

Highlights der Zusammenarbeit sind sicher die Studienreisen. Zweimal werden die österreichischen Schüler für je ein Monat nach Norwegen reisen und vor Ort die vielfältigen Lebensräume mit Mooren, Taiga-Ausläufern oder Fjorden studieren. Sie befassen sich mit Spannungsfeldern wie Klimaerwärmung. Auf hohem Niveau erarbeiten sie sich einen Überblick über mehrere Ökozonen Europas, verbinden diese mit Geografie und Biologie und werten die Daten statistisch aus. Die norwegischen Schüler werden die Dorfschule in Kleineberharts 2021 besuchen, dabei stehen unter anderem das Thayatal, der Seewinkel, die Donauauen und Wien am Programm.

Um die Schüler angemessen während des Projektes begleiten zu können, nehmen die Lehrer der Dorfschule in der unterrichtsfreien Zeit an mehreren mehrwöchigen Ausbildungen in Norwegen teil, in der die Besonderheiten der dortigen Lebensräume thematisiert werden und der Kontakt zur norwegischen Partnerschule intensiviert wird.

Hohe Kosten sind mit dem Projekt verbunden, vor allem für die technischen Geräte und den mehrwöchigen Aufenthalt. Die Österreichische Agentur für internationale Mobilität und Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung unterstützt nach einer strengen Prüfung die Schulpartnerschaft mit 125.000 Euro. „Das Projekt zeigt, welchen Stellenwert die ‚kleine‘ Dorfschule mittlerweile auf Landes- und Bundesebene hat. Wir sind unheimlich stolz“, freut sich Projektleiter Harald Steiner. -kw-