Trotz Corona: „Zeit war lernintensiv“ im Montessorihaus. Die Dorfschule stellte den Unterricht um, damit „niemand in Verlust gerät“ – für die Pädagogen eine Herausforderung.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 21. Juni 2020 (05:14)
Der 15-jährige Lorenz Koller war mit den Naturbeobachtungen beschäftigt, aber nicht nur. Die Dorfschule passte sich an die Corona-Situation an:„Die Lernfortschritte waren außergewöhnlich hoch“, sagt Montessori-PädagogeUwe Kranner.
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Alle Kinder sind mittlerweile in der Dorfschule wieder anwesend, zumindest von Montag bis Mittwoch. Die Jüngeren arbeiten an den restlichen zwei Tagen selbstständig zu Hause weiter, währen die Älteren Zoom-Meetings abhalten. Die Montessori-Bildungseinrichtung ist ihrer coronabedingten Schließung mit Neuem begegnet.

Grundsätzlich hat gegolten: Je jünger die Schüler, desto „analoger“ verlief der Unterricht. Aufgaben sind dann telefonisch oder per Mail erteilt worden. Je älter, desto digitaler: Diese Schüler kamen mit ihren Lehrern über die Videokonferenz-Plattform „Zoom“ zusammen.

„Was wir gemerkt haben, ist, dass die Kinder gewohnt sind, sehr selbstständig zu arbeiten“, schildert Uwe Kranner, Gründer der Dorfschule. Er leitet die Sekundaria (ab 13) und Oberstufe (ab 16), seine Frau Regina ist Direktorin des Montessorihauses. „Die Schüler haben gelernt, Fragen zu formulieren und zu stellen. Die Selbstständigkeit, die bei uns gang und gäbe ist, ist uns zugutegekommen.“

Man habe zudem ein Schulfernsehen eingerichtet, in dem zum Beispiel in Erzählungen der Flug der Zugvögel erklärt wird. Die Kinder erarbeiteten dann mit Unterlagen die Inhalte. Die Proben für Theateraufführungen sind weggefallen, aber die aufgenommenen Lieder konnten zu Hause angehört werden.

„Der Aufwand war sehr groß, und die Zeit war sehr lernintensiv. Niemand ist in Verlust geraten und die Lernfortschritte waren außergewöhnlich hoch“, resümiert Kranner. Das Montessorihaus setzt nicht auf Wiederholung des Stoffes: Die Idee ist, dass Neues auf schon Gelerntes aufbaut, das Bisherige muss angewendet werden.

Der „Corona-Unterricht“ ist dennoch nicht unbedingt ideal. „Die Erwachsenen als Bezugsperson sind schon sehr wesentlich“, betont Kranner. Einiges wird dennoch bleiben.

„Die Älteren nutzen sicher die neue Form der Kommunikation mehr als früher“, nennt er ein Beispiel. „Das, was sich als wertvoll und sinnstiftend erweist, bekommt sicher eine Bleibe.“ Corona habe außerdem gezeigt, dass es „für eine gewisse Zeit möglich ist, die Schüler in Beziehung zu halten“. Das gebe Sicherheit für die nächste Krise.