War Fällung in Raabs überzogen?. Raabserin hält Sportplatz-Schlägerung für großen Verlust. Fischer erklärt Hintergrund.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 13. Mai 2021 (04:29)

„Völlig überzogen“ hält Michaela Högenauer die Baumschlägerung beim Fußballplatz: „Hier standen fast nur Laubbäume wie Linden, Buchen, Eichen und wenige Eschen mit einem Alter von 50 bis 100 Jahren. Diese hatten sicher keinen Borkenkäufer und waren gesund“, schreibt sie an die NÖN-Redaktion. „Bei den Eschen ist es ja noch verständlich. Es wurden aber auch alle Stauden ratzeputz weggeschnitten.“

Sie begrüßt, dass 8.000 Bäume in Raabs gesetzt werden. Es sei aber „wirklich ein großer Schaden verursacht worden“, angesichts dessen, dass 100 kleine Bäume erst die Sauerstoffproduktion eines großen Exemplars ausgleichen können und ein Wald die Luftfeuchtigkeit reguliert. „Generell finde ich, dass viel zu viele Stauden am Wegrand verschwinden und es immer weniger Singvögel bei uns gibt. Hat heuer schon jemand eine Lerche gehört?“, zeigt die Raabserin auf.

„Ich muss dies einfach einmal schreiben, da vor allem bei uns die Natur (unser Verbündeter, auch im Tourismus) immer mehr verstümmelt und begradigt wird. Ich denke, dass hier wirtschaftliche Gründe eine große Rolle spielen“, ergänzt abschließend Högenauer.

Die NÖN-Redaktion hat Vizebürgermeister Franz Fischer mit der Kritik konfrontiert: Die Gemeinde habe sich „die Entscheidung nicht leicht gemacht“. Er weist zurück, dass wirtschaftliche Gründe eine Rolle gespielt hätten. Sicherheitsbedenken haben auf Basis eines Gutachtens letztlich überwogen.

Der Anblick „war und ist sicher am Anfang ungewohnt“, räumt Fischer ein. „Man muss aber bedenken, dass viele Bäume sich genau oberhalb der Zuschauertribüne des Fußballplatzes befunden haben, wo sich oft hunderte Menschen auf engem Raum aufhalten. Wenn ein Baum umstürzt und Personen zu Schaden kommen, dann muss jemand dafür gerade stehen und die Verantwortung übernehmen.“ Das Eschentriebsterben war auf dem Platz weit fortgeschritten.

Umsturzgefahr steigt bei geringerer Baumzahl

Hätte man nur die Hälfte der Bäume umgeschnitten, wäre gemäß Fischers Ausführungen der verbleibende Rest noch gefährdeter, umzustürzen. „Dies müssen wir oft im Wald aus Erfahrung leider zur Kenntnis nehmen“, führt er aus. Es lasse sich zudem kaum vermeiden, dass bei Schlägerungsarbeiten nicht die Sträucher in Mitleidenschaft gezogen werden. Fischer ist selbst Waldbesitzer, zudem Obmann im NÖ Waldverband. Er versichert: „In den nächsten Jahren wird beim Sportplatz wieder ein junger, vitaler Wald mit all seinen positiven Wirkungen für uns Menschen, aber auch als Lebensraum für viele Waldtiere entstehen.“ Das sei wertvoll, gerade jetzt, wo sich der Wald so sehr verändert habe. „Manchmal gleicht es einer Mondlandschaft, da große Kahlflächen entstanden sind“, beschreibt Fischer. Nicht immer ist der Borkenkäfer dafür verantwortlich: Die Bäume verlieren ihre Vitalität und sind anfällig für Schädlinge, weil es grundsätzlich immer heißer und trockener wird.

Es sei schwer in Zahlen auszudrücken, „wie wertvoll der Wald als Wasserspeicher, Luftfilter, Erosionsschutz, Lebensraum für Tiere“ und vieles mehr ist. Fischer betont immer wieder diese „Benefits“ eines Waldes: „Diese Leistungen werden eigentlich gratis erbracht, sind für uns aber lebenswichtig, deshalb sollten wir im Einklang mit der Natur leben und arbeiten“, ist ihm das wichtig.