Kaum Events trotz Lockerungen im Bezirk Waidhofen/Thaya. Bevorstehende Lockerungen animiert Veranstalter im Bezirk nicht zu Events im Sommer. Galerien und Museen öffnen bereits.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 27. Mai 2020 (05:01)

Die bevorstehenden Lockerungen für Kulturveranstaltungen erzeugen so manche Hoffnungen, heuer doch noch das ein oder andere Sommer-Event erleben zu können. Während im Ausstellungsbereich die Galerie am Hauptplatz Waidhofen, die Kunstfabrik Groß Siegharts und die Museen Kautzen und Waidhofen ihre Tore bereits geöffnet haben bzw. die Galerie im Lindenhof Raabs am 3. Juni öffnen wird, scheint es in anderen Bereichen keine spontanen Veranstaltungen für den Sommer im Bezirk zu geben.

Folkclub will ohne Druck starten

„Das Musikfest wurde wie bekannt bereits abgesagt“, erzählt Folk-Club-Obmann Herbert Höpfl. „Im Sommer besteht üblicherweise eine schöpferische Pause bei uns, die auch heuer eingehalten wird. Wir werden die Lage in den kommenden Monaten beobachten und gehen davon aus, dass wir frühestens im Oktober Konzerte irgendeiner Art abhalten werden. Vielleicht sind dann kleine Veranstaltungen mit sinnvoller Besucherzahl schon wieder möglich.“ Wenn wirklich alle angekündigten bzw. verschobenen Veranstaltungen im September stattfänden, dann könne es sein, dass man mehrere Events täglich besuchen könne, das sei auch wieder kontraproduktiv. Darum plane man den Start ab Oktober, spätestens jedoch zur Weihnachtszeit sollte es wieder losgehen.

„Wir stehen nicht unter Druck und wollen nicht überhastet und krampfhaft ein Konzert anbieten, das dann vielleicht erst nicht stattfinden kann“, meint Höpfl. „Es braucht ja auch eine gewisse Vorlaufzeit und man weiß nicht, was passiert bis dahin. Eventuell machbar sind Sommerkinos im Freien. Für Waidhofen denkbar ist auch ein kleines Singer-Songwriter-Konzert mit Waldviertler Künstlern im Stadtpark.“

Musikfest-Line-Up soll 2021 nachgeholt werden

Im Folkclub will man die abgesagten Veranstaltungen großteils nachholen, auch beim Musikfest möchte man das für heuer geplante Line-Up nächstes Jahr anbieten, soweit es für die Musiker möglich ist. „Nachdem die meisten Musiker ohnehin gerade einen Totalausfall haben, sind sie froh, irgendwelche Perspektiven für die nächste Zeit zu haben“, erzählt Herbert Höpfl.

Schwierige Situation für die Blasmusik

Auch für Blasmusikkonzerte ist die Lage noch schwierig. „Das Problem ist, dass wir noch nicht proben dürfen“, berichtet Bezirkskapellmeister Manfred Kreutzer. „Darum müssen wir noch abwarten, ob demnächst vom Blasmusikverband Informationen kommen. In erster Linie ist für uns wichtig, den Probenbetrieb wieder aufnehmen zu können, erst dann können wir weiterplanen, ob es irgendwelche Freiluftkonzerte geben könnte.“

Man müsse auch beobachten, wie Veranstaltungen angenommen würden. „Weil was bringt es, wenn man für den Sommer ein großartiges Konzert plant, aber die Leute trauen sich noch nicht kommen“, gibt er zu bedenken. In den Musikschulen laufe der Unterricht wieder, erzählt Kreutzer. Jedoch sollte auch eine Ausdünnung stattfinden. Bei Gruppenunterricht müssen auch an die 10 Quadratmeter pro Kind vorhanden sein, jedoch nicht mehr als vier Kinder in einer Gruppe. Ab Juni dürften auch wieder die Blasinstrumente im Einzelunterricht unterrichtet werden.

Keine Freiluftveranstaltung in Dobersberg geplant

„Eine Freiluftveranstaltung wird es bei uns im Sommer nicht geben“, berichtet auch Anita Fröhlich, Obfrau des Kulturvereins Dobersberg. „Wir schauen uns die Entwicklung an und entsprechend den Vorgaben entscheiden wir, ob und wie die Veranstaltungen im Herbst stattfinden. Die Ausstellung mit dem tschechischen Keramikkünstler wird wie geplant stattfinden, ob es eine Vernissage gibt, wird man sehen. Für die anderen Veranstaltungen muss eine sinnvolle Zuschaueranzahl möglich sein.“

TAM-Prinzipal ist verzweifelt

Einigermaßen verzweifelt zeigt sich TAM-Prinzipal Ewald Polacek. Denn das Theater an der Mauer ist nicht nur Veranstalter sondern auch Produzent. „Wir wissen bis jetzt noch nicht, wie es weitergehen soll“, erklärt Polacek. „Es darf nicht geprobt werden und es ist auch noch nicht klar, wie viele Besucher künftig bei uns zugelassen sind. Wir sind ein kleines Theater und wenn nur 20 Zuschauer kommen können, rechnet sich das nicht.“

Hoher Druck durch laufende Betriebskosten

Der Verein stünde jetzt schon unter großem finanziellen Druck. Für das Theater und das angrenzende Vereinsgebäude fielen trotz Schließung weiterhin Betriebskosten an und eine Mitarbeiterin sei geringfügig beschäftig. Die Kulturförderung vom Land NÖ decke einen Teil der Kosten ab, aber ohne weitere Einnahmen sei das Geld demnächst aufgebraucht. „Besonders bitter ist noch dazu, dass wir heuer unser 25-jähriges Jubiläum feiern und wir dafür ein spezielles Programm geplant hätten. Dies versuchen wir nun im Herbst nachzuholen, sofern es praktikable Bedienungen dafür gibt“, erzählt der Theaterleiter.Auch die Kinder- und Jugendtheaterwerkstätten sind mitten aus ihren Vorbereitungen für die neue Produktion gerissen worden, erzählt Kursleiterin Christine Polacek-Eisner. „Wir hoffen natürlich, dass es im Herbst weitergehen kann, wissen aber nicht, ob alle Teilnehmer wieder kommen können oder wollen und müssen eventuell wieder mit den Proben komplett neu beginnen“, meint sie.

Keine Feuerwehrfeste

Auch die Feuerwehren werden bis Ende Juni keine Feste durchführen“, berichtet Bezirksfeuerwehrkommandant Manfred Damberger. „Hier gibt es vorläufig keine Änderung. Danach wird die Lage neu zu bewerten sein. Es gibt auch ein mit dem Landesfeuerwehrverband abgestimmtes Bekenntnis, unsere Aktivitäten 2020 den örtlichen Wirten zukommen zu lassen. Die Feuerwehren werden nicht aktiv dazu beitragen, die problematische Situation der Wirte weiter anzuspannen.“