Haselnuss-Ernteausfall: „Bewässerung letzter Ausweg“. Nach zwei Jahren mit Total- bzw. fast Totalausfällen bei der Haselnussernte musste Matthias Theurer reagieren.

Von Michael Schwab. Erstellt am 17. August 2019 (05:55)
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Matthias Theurer in seiner Haselnussplantage bei der Inspektion der Pflanzen: Die Schläuche für die Bewässerung sind schon verlegt.

Letzter Ausweg Bewässerung – nach zwei Jahren mit Total- bzw. fast Totalausfällen bei der Haselnussernte muss der Waldviertler Haselnusspionier Matthias Theurer reagieren.

2008 pflanzte er die ersten Haselnusssträucher und betrat damit acker- und obstbauliches Neuland. Durch den Klimawandel droht nun jedoch Ungemach.

„Die Niederschlagsmenge ist im Jahresdurchschnitt von rund 650 Litern pro Quadratmeter ab 2017 auf etwa 450 Liter pro m gefallen, und das auch noch örtlich und zeitlich unregelmäßig verteilt. Für die Haselnuss ist das zu wenig“, fasst Theurer die Problematik beim Lokalaugenschein mit der NÖN auf der Plantage zusammen.

Noch tragen die Sträucher ihre unreifen Früchte, doch beim genauen Hinsehen, oder noch besser Hingreifen, lässt sich nicht verleugnen, dass den Pflanzen Wasser fehlt. Die Blätter fühlen sich saftlos an, anders als die jener Sträucher, die Theurer kürzlich mit einem Jauchefass voll Wasser goss. „Ich wollte sehen, ob es etwas bringt, auch wenn da viel Wasser nicht dorthin gelangt, wo es gebraucht wird“, berichtet Theurer.

Die einzige effektive Lösung für das Wasserproblem befindet sich gerade im Bau: eine Tropf-Bewässerung aus einem eigens gebohrten, 57 Meter tiefen Brunnen. Von diesem gehen dicke Leitungen entlang der Plantage. In jede Reihe zweigen Schläuche, die in gewissen Abständen Löcher aufweisen, ab. Auf diese Weise gelangt das Wasser direkt zu den Pflanzen und versickert in den Wurzelballen.

12.000 Liter Wasser pro Tag benötigt

3,6 Hektar der sieben Hektar großen Plantage kann Theurer auf diese Weise künftig bewässern. Die Fläche ist in drei Sektoren aufgeteilt. „Jeder Sektor wird für acht Stunden mit etwa 4.000 Litern Wasser pro Tag berieselt. Insgesamt sind das 12.000 Liter pro Tag“, rechnet Theurer vor. Ausschlaggebend für die fünfstellige Investition waren für ihn die Missernten der letzen beiden Jahre.

2017 erwischte zuerst ein Spätfrost einen Teil der Früchte, den Rest forderte die Trockenheit – Totalausfall. 2018 erntete Theurer nur fünf Prozent der üblichen Menge.

Für heuer sieht es besser aus, aber der Landwirt rechnet trotzdem mit einem unterdurchschnittlichen Ertrag. Immerhin gibt es ab Ende Oktober ein neues Produkt in seinem Sortiment – eine Haselnusscreme. Außerdem macht er mit seinem Betrieb beim Innovationspreis „Vifzack 2019“ der Landwirtschaftskammer mit – das Voting läuft bis Ende September.