Über den Stolz eines Dorfes. Was macht Oberndorf aus? Ricky Heimpel geht auf ihre Heimat ein. Wichtige Partner: die Dorferneuerer.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 14. September 2019 (04:11)
Karin Widhalm
„Oberndorf bei Raabs an der Thaya. Ein Dorf stellt sich vor“ heißt der Band, der dank (v.l.) Simon Grosch, Ricky Heimpel und Heiko Nigischer entstand.

Die Kunst des Erzählens ist Ricky Heimpel nicht unbekannt, das spürt man schnell im Gespräch mit ihr. Jetzt hat sie mit dem Dorferneuerungsverein ein Buch über ihren Heimatort herausgebracht, das zum Entdecken von Oberndorf einladen soll. Wahre Geschichten fehlen darin nicht.

Die Klinger-Tragödie wird etwa beschrieben: Die Liebe zum jungen Russen stellte die Ehe von Sibylle Klinger von Klingerstorff, die mit ihrem Mann auf der Burg Raabs lebte, auf eine harte Probe, die mit einem zweifachen Tod endete. Nicht das Einzige, was das Buch liefert.

„Ich wollte auf Oberndorf Lust machen und mit dem Buch auch das Regionalbewusstsein stärken.“ Ricky Heimpel informiert über ihre Heimat

Persönlichkeiten, historische Häuser, Kleindenkmäler, Vereine, die Musikschule und die nahe Umgebung werden vorgestellt. Heimpel geht darauf ein, wie sich die Gewerbelandschaft und Landwirtschaft verändert hat. Zum Schluss folgt ein „Wussten sie eigentlich, dass ...“. „Die Idee trage ich seit Langem vor mir her“, schildert Heimpel, die gern schreibt und ein Kinderbuch „Es ist schön, dass es dich gibt“ geschrieben hat.

Sie hatte keine historische Abhandlung zum Ziel, Stadtarchivar Erich Kerschbaumer behandelt auf wenigen Seiten Geschichtliches. „Ich wollte Lust auf Oberndorf machen, um auch das Regionalbewusstsein zu stärken.“

privat
Die Buchpräsentation war am Freitag am Betriebsgelände „Glas Nigischer“ mit – und das rief Begeisterungen hervor.

Der Leser solle animiert werden, mehr mit offenen Augen durchs Dorf zu gehen. Die Autorin führte im Vorfeld viele Gespräche und trug Fotos zusammen. Die Stadtgemeinde stärkte ihr in den Zwischenphasen der Buchentstehung den Rücken: Sie durfte kostenlos Kopien anfertigen. Das erleichterte ihr die Überarbeitung der Kapitel. Und der erst im Jänner neu aufgestellte Dorferneuerungsverein ist ein wichtiger Partner.

Heimpel erzählt bei einer der Sitzungen von dem Projekt: Der Verein erklärte sich mit Obmann Simon Grosch bereit, die Produktionskosten der 100 Exemplare zu übernehmen. Der Reinerlös kommt dem Verein zugute, der einiges vorhat. Streugut-Behältnisse sollen aufgestellt werden, damit Bewohner im Winter schnell für Trittfestigkeit sorgen können.

Stolz auf den ersten Außenbezirk Raabs

Der Vorstand hat sich die Erneuerung des Löschteichs und der Anschlagtafel vorgenommen. Veranstaltungen werden nicht zu kurz kommen, um den Zusammenhalt aufrechtzuhalten. Denn, wie Grosch feststellt: „Die Dorfgemeinschaft ist einzigartig. Das war sicher früher auch so“, sagt der gebürtige Tiroler. „I gfrei mi, dass es weitergeht“, ist Heimpel spürbar stolz auf die Vereinsmitglieder. „Aber er steckt noch in den Kinderschuhen“, ergänzt Grosch. Stolz ist man auf Oberndorf: „Wir sind der erste Außenbezirk Raabs“, hat Obmann-Stellvertreter Heiko Nigischer und seine Nachbarn den Satz sicherlich schon oft ausgesprochen.

Nicht unerwähnt bleibt, dass der Eingang der Burg Raabs zu Oberndorf gehört. Aber man sagt auch, dass das Dorf und die Stadt zusammen eins sind. Wie viele Bewohner sind’s eigentlich? „Knapp 200“, sagt Heimpel. „Ich würde schreiben 201“, bringt Grosch alle zum Lachen. Nigischer erzählt, dass erst drei zugezogen sind. Also 203, denn Oberndorf kennt sich selbst ja am besten.