Normalität kehrt in den Hotels langsam ein. Die Buchungslage nimmt Fahrt auf, zumindest, was den spontanen Gast betrifft.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 01. Juli 2020 (04:36)
Strohmer: „Ich habe mich gefreut, das überhaupt etwas los war.“
Archiv

Das Stadthotel Waidhofen war das einzige, dass im Corona-Lockdown offen hatte: „Man durfte Business-Gäste beherbergen, das haben wir gemacht“, erklärt Gerhard Hufnagl, der im Management des Hotels tätig ist. Betriebe wie Pollmann oder Tyco benötigten Übernachtungsplätze. Die Hotels Thaya und Liebnitzmühle in Raabs öffneten beide wieder am 29. Mai.

„Die Buchungslage ist natürlich hinter dem Vorjahr, aber es ist nicht so schlimm wie befürchtet“, erzählt Michael Stocker, operativer Leiter in der Liebnitzmühle. Franz Strohmer junior war überrascht, wie gut der Neustart im Hotel Thaya angenommen wurde: „Pfingsten war verhältnismäßig gut, auch die Woche danach, zwar nicht im normalen Bereich, aber ich habe mich gefreut, dass überhaupt etwas los ist.“ Alle drei stellen eines fest: Man bucht derzeit sehr kurzfristig. „Und sehr viele für ein oder zwei Nächte“, berichtet Strohmer.

„Heute regnet es, morgen kann es passieren, dass zehn Radfahrer vor der Tür stehen.“ Gerhard Hufnagl vom Stadt hotel Waidhofen über die Tendenz, kurzfristig zu buchen

Die spontanen Entscheidungen sind durchaus eine Herausforderung: Das Stadthotel hat die Rezeption als einzigen Bereich wieder voll besetzt. „Heute regnet es, morgen kann es passieren, dass zehn Radfahrer vor der Tür stehen“, schildert Hufnagl. Wichtig sei eine gute Betreuung des Gastes an der Rezeption, auch, um ihn halten zu können. „Es ist meine Aufgabe, immer wieder aktuell zu erörtern: Wie schaffen wir es am besten?“ Zehn Personen arbeiten für das Stadthotel, derzeit sind es sieben.

Stocker sagt, dass die Personalplanung schwieriger geworden sei, besonders, wenn am letzten Tag gebucht wird: Das komme durchaus vor. Die Liebnitzmühle hat den Restaurantbetrieb eingeschränkt, damit „wir mit den Personalressourcen haushalten können“. Regulär ist das Team 18-köpfig, darunter sind viele geringfügig Beschäftigte.

"Weit davon entfernt, wie es früher war"

Das Reise-Interesse ins Waldviertel ist grundsätzlich vorhanden: „So viele Wanderer wie heuer habe ich noch nie gesehen“, sagt Strohmer. Aber: „Wir sind noch weit davon entfernt, wie es früher war.“ Er bleibe insofern optimistisch, „dass die Leute reisen und keine weiteren Maßnahmen kommen werden, die uns das Geschäft wieder verderben.“

Stocker glaubt, dass die Liebnitzmühle einiges abfedern kann. Aber: „Das Geschäft, das weggefallen ist, hat schon ordentliche Löcher gerissen.“ Die fehlenden Busreisen spürt das Stadthotel: „Man merkt zwar eine verstärkte Buchungslage der Privaten, aber das ist stark wetterabhängig“, sagt Hufnagl.

Der Thayarunde-Radweg ziehe zwar an, „aber davon alleine kann man nicht leben“. Er sieht überhaupt im touristischen oberen Waldviertel Luft nach oben. „Man muss das individuelle Angebot stärken, was auch in einigen Gemeinden passiert, aber das dauert.“