Traumberuf nach 30 Jahren gefunden. Othmar Josef aus Waidhofen/Thaya wechselte nach 30 Jahren im Bankwesen mit Nahversorger-Markt zur Selbstständigkeit, und fand Erfüllung.

Von Gerald Muthsam. Erstellt am 09. April 2021 (04:39)

Bei seinem Traumberuf angekommen ist Othmar Josef als Betreiber des Nahversorgers in Thaya. Doch bevor es zu dieser lebensveränderten Entscheidung kam, war er fast 30 Jahre lang Bankangestellter in Waidhofen.

Gleich nach der Handelsschule begann er einst seinen Bankjob. „Es war überwiegend eine schöne Zeit in Bank, doch irgendwie haben mich die Selbstständigkeit und die Nahversorgung interessiert“, schildert Othmar Josef die damalige Situation. „Nachdem Elisabeth Koller als Betreiberin des vorigen Nahversorgers in Thaya in Pension ging, erfuhr ich, dass die Gemeinde ein neues Geschäft baut, und dass man sich dafür bewerben kann. Da ich zwar in Waidhofen wohne, jedoch ursprünglich aus der Gemeinde Thaya komme, habe ich mich einmal näher erkundigt und letztendlich dafür beworben.“

Bei Hearing durchgesetzt. Die Bewerbungen liefen über die Firma Kiennast als Hauptmieter. Die Bewerber wurden zu einem Hearing nach Gars eingeladen. „Ich habe damals in Abstimmung mit meiner Familie die Entscheidung getroffen, wenn ich dieses Hearing gewinne, betreibe ich auch das Geschäft“, erklärt er seine Entscheidungsfindung. „Als Quereinsteiger bin ich ins kalte Wasser gesprungen. Das war schon ziemlich hart am Anfang und natürlich mit einigen Risiken verbunden, weil das jetzige Geschäft doch größer ist als das vorige.“

Zehn Tage Zeit zum Einräumen. Schwierig gestaltete es sich schon im Vorfeld, denn aufgrund seiner langen Dienstzeit hatte er eine sechsmonatige Kündigungsfrist einzuhalten. „Dann wurde die ganze Geschichte ziemlich eng, der Geschäftsstart ist sich gerade ausgegangen“, erklärt Josef. „Uns sind gerade zehn Tage geblieben, in denen wir alles eingeräumt, geputzt und die Eröffnung organisiert haben. Dank meiner tollen Kolleginnen und meiner Familie und Verwandtschaft haben wir das geschafft.“ Auch die Feuerwehr aus seinem Heimatort Oberedlitz unterstützte ihn und stellte für die Eröffnung ein Zelt auf. Ende November 2017 fand die inoffizielle Eröffnung mit rund 100 Ehrengästen statt, am nächsten Tag folgte die offizielle Eröffnung mit Musik, Kistensau und vielen Eröffnungsangeboten.

Unterstützung durch die Familie. Eine Vollzeit- und zwei Teilzeit- Mitarbeiterinnen beschäftigte er, jetzt soll noch eine weitere Vollzeit-Mitarbeiterin kommen. „Meine Familie hat mich am Anfang natürlich auch sehr stark unterstützt“, merkt Josef an.

Seitens „Nah-&-Frisch“ gibt es ein vorgegebenes Warensortiment, die Philosophie ist jedoch, das die Betreiber auch regionale Angebote einbringen können. „Hier sucht man sich die Lieferanten selber“, erklärt Josef. „Mit dieser Möglichkeit kann man sich von anderen Anbietern abheben. Wir haben eine alte Vitrine von der Großmutter meiner Frau restaurieren lassen, wo wir die regionalen Angebote präsentieren.“

Das würde sehr positiv angenommen und bringe auch Kunden außerhalb der Gemeinde, weil man Sachen bekäme, die es anderswo nicht gebe. „Das ist natürlich super, wenn Leute aus Waidhofen zu uns einkaufen kommen“, freut sich Josef.

Angeboten wurde auch von Anfang an ein Lieferservice, der in der jetzigen Zeit vermehrt in Anspruch genommen wird: „Beim ersten Lockdown im Vorjahr sind wir den ganzen Tag ausliefern gefahren. Trotz der Hamsterkäufe damals war von den 4.000 Artikeln in unserem Sortiment eigentlich immer alles lieferbar. Nur nicht immer genau die Marken, die wir sonst haben.“

Richtige Entscheidung. Othmar Josef ist eindeutig glücklich damit, den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht zu haben. „Ich war sicher am Anfang bei gewissen Sachen blauäugig, als Quereinsteiger weiß und sieht man gewisse Sachen einfach nicht“, meint er. „Jedoch, mein tolles Team hat Erfahrungen aus der Gastronomie, dem Lebensmittelhandel und der Fleischhauerei mitgebracht, und das hat mir sehr geholfen. Natürlich stecken viele Stunden drinnen, aber ich würde nicht mehr zurücktauschen wollen und ich bereue es nicht. Es macht wirklich Spaß.“ Die Stunden zähle er nicht, sonst hätte er es nicht machen dürfen. „Man muss die Liebe dafür mitbringen und darf keine Stunden zählen“, meint Othmar Josef. Kraft und Rückhalt gibt ihm, dass das Angebot in der Gemeinde wirklich gut angenommen wird. „Auch die Vereine kaufen für Veranstaltungen bei uns ein und besonders schön ist, dass Jung und Alt zu uns kommt“, freut sich Othmar Josef über seine treue Kundschaft.