Mysterium um Tod von jungem Waldviertler am Ballermann. Schädel eingeschlagen, Handy und Geldbörse weg: Hinterbliebene zweifeln an Darstellung von Sturz als Todesursache.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 21. August 2019 (05:34)
shutterstock/SchnepfDesign (Hintergrund), privat
An der Playa de Palma ging für die Familie H. die Sonne unter. Thomas (22) verstarb im Urlaub mit Freunden.

Der 22-jährige Gasterner Thomas H. ist tot. Gestorben nach einem Lokalbesuch auf der Ferieninsel Mallorca. So weit die Fakten.

Was sich sonst in der Nacht auf 9. August gegen 22 Uhr bei einer Bar im Ausgehviertel „Ballermann“ in S’Arenal nahe der Inselhauptstadt Palma abgespielt hat, ist für seine mitgereisten Freunde und die nachgeflogenen Hinterbliebenen ein Mysterium.

In den Mix aus verlorenem Todeskampf, dem Hürdenlauf zwischen Behörden, Versicherungen und Spital in einem fremden Land und einer psychischen Belastung an der Grenze des Ertragbaren kam vorige Woche Bestürzung und Fassungslosigkeit über die Art, wie österreichische Medien mit der Causa umgingen.

Da war von Alkohol, Drogen, Aggression und Belästigungen bis zum Lokal-Rausschmiss berichtet worden, dabei sei er über die kniehohe Stiege gestürzt und an den Folgen verstorben.

Fassungslosigkeit über mediales Blitzurteil

„Es tut weh, nach dem Erlebten heimkommen und solche Sachen lesen zu müssen“, sagt die Mutter von Thomas. Sie war einst selbst jahrelang Mitarbeiterin der NÖN in Gmünd und Waidhofen, stand dabei immer für einen offenen und fairen Umgang mit anderen. Woher Medien ihre Informationen hatten, ist den Hinterbliebenen schleierhaft – zumal sie selbst keine Details zum Stand der polizeilichen Ermittlungen haben und nicht einmal wissen, ob es Zeugen oder Kamerabilder für die letzten Sekunden gibt.

Thomas habe nach einer Tischlerlehre gerade die Ausbildung zum Polizeibediensteten in der Polizeischule Traiskirchen absolviert, sagt die Mutter, „das war sein Wunsch. Er hat darauf hingearbeitet, ist zum Sportler geworden, hat auf Alkohol weitgehend verzichtet. Auf der Partyinsel wird er wohl was getrunken haben, Drogen wurden von den Ärzten im Universitätsklinikum Son Espases aber ausgeschlossen.“ Auch über Stänkereien oder Raufereien ihres Sohnes, der sich zuhause bei Feuerwehr und Rotkreuz ehrenamtlich engagiert hatte, ist ihr nichts bekannt.

 „So endet kein Sturz über eine kleine Stiege.“ Die Mutter von Thomas berichtet von schwersten Kopfverletzungen ihres Sohnes

Die Klärung der Hintergründe macht Thomas nicht mehr lebendig, das ist allen Trauernden klar. An einen Unfall glauben sie aber definitiv nicht. Seine Verletzungen deuten offenbar auf ein Fremdverschulden hin: Eine Ganzkörper-CT habe eine eingeschlagene Schädeldecke, eine gebrochene Nase und ein blaues Auge gezeigt, sonst habe der Körper nicht einmal kleinste Kratzer oder Schürfwunden aufgewiesen.

„So endet kein Sturz über eine kleine Stiege“, sagt die Mutter. Auf Gewalt könne auch hindeuten, dass im Rettungswagen der Ausweis gefunden worden sei, aber von Geldbörse und Handy bis heute jede Spur fehle.

Spitalspersonal bot bestmögliche Unterstützung

Erst am 18. August berichtete das „Mallorca-Magazin“ online über eine neue Spezialeinheit der spanischen Nationalpolizei für die Jagd auf Drogenverkäufer, „Sex-Kriminelle“, Prostituierte oder Diebe an der Playa de Palma – und gegen „Rumänen, die betrunkene Touristen mit Knüppeln niederschlagen“…

Auch dem Spitalspersonal in Palma hätte die Brutalität des Vorfalls – die Verletzungen seien auch von Ärzten nicht durch einen Sturz erklärbar gewesen – und der aussichtslose Todeskampf des jungen Menschen zugesetzt, sagt die Mutter. Generell hätten die Angehörigen und die geschockten Freunde vom Personal bestmögliche Unterstützung erhalten, „sie taten weit mehr, als sie tun hätten müssen“.

Freunde wollen die Erinnerung wahren

Die Obduktion ergab vorige Woche schwerste Kopfverletzungen als Todesursache von Thomas. Sein Leichnam wird am 21. August ins Waldviertel überstellt, das Begräbnis findet am 23. August in Gastern statt.

Als kleiner Trost in dieser schweren Zeit bleibt den Angehörigen, dass durch den Tod ihres geliebten Thomas womöglich das Leben anderer gerettet werden kann: Sie haben ihn als Organspender freigegeben.

Auch seine Freunde und Verwandten wollen die Erinnerung an den Verstorbenen wahren. Gemeinsam hatten sie Pläne für die Fertigstellung seines eben erst begonnenen Projektes geschmiedet: ein von ihm angekaufter alter VW-Käfer. Die Freunde von Thomas wollen ihn nun reparieren und an einer Oldtimer-Ausfahrt teilnehmen. Am Steuer soll seine um ein Jahr jüngere Schwester sitzen.