Keine Feuerwehrfeste heuer im Bezirk Waidhofen/Thaya. „Fest der Feuerwehr XY brachte Corona zurück in den Bezirk Waidhofen“ – diese Schlagzeile will niemand haben. Und dass eine ganze Feuerwehrmannschaft wegen einer Corona-Infektion aufgrund eines Feuerwehrfests ausfällt, auch nicht. Aus diesem Grund spricht das Bezirksfeuerwehrkommando Waidhofen die dringende Empfehlung an alle Feuerwehren im Bezirk Waidhofen aus, 2020 keine wie auch immer gearteten Feste zu veranstalten.

Von Michael Schwab. Erstellt am 25. Juni 2020 (15:05)
Bezirksfeuerwehrkommandant Manfred Damberger fordert die Feuerwehren im Bezirk auf, auf Feste zu verzichten und lieber ins Wirtshaus einzukehren: Wirtschaftskammer-Bezirksobmann Reinhart Blumberger und Bezirkswirtevertreter Michael Schandl begrüßen diese Empfehlung.
Michael Schwab

„Wir hatten von Beginn an eine klare Strategie: In Deckung gehen und nur dann herauskommen, wenn wir gebraucht werden. Zu Hause bleiben, Kontakte vermeiden, um eine Ansteckung mit dem Virus zu vermeiden, um die Einsatzbereitschaft zu erhalten“, stellte Bezirksfeuerwehrkommandant Manfred Damberger bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend im Waidhofner Stadtsaal klar. Das Bezirksfeuerwehrkommando Waidhofen ist das erste in Niederösterreich, das so eine Empfehlung ausspricht. Der Beschluss dazu wurde von allen Abschnittskommandos einstimmig gefällt.

Blaulichtorganisation muss vorsichtiger sein

Als Blaulichtorganisation müssen die Feuerwehren vorsichtiger an das Thema Veranstaltungen herangehen, als etwa Sportvereine, hob Damberger hervor. Wenn sich ein Fußballspieler infiziere und die Mannschaft in Quarantäne muss, und und für die nächsten Spiele ausfalle, sei das zwar ärgerlich, aber nicht zu vergleichen mit den Folgen, wenn einer Feuerwehr das Gleiche nach einem Fest passiere: „Wenn die Sirene heult, und man nicht ausrücken darf, weil man in Quarantäne ist, tut das jedem Feuerwehrmitglied weh.“ Um die Einsatzbereitschaft nicht zu gefährden, solle daher dieses Risiko nicht eingegangen werden.

Neben der Sicherstellung der Einsatzbereitschaft gibt es aber noch einen weiteren Faktor, der für das Bezirksfeuerwehrkommando mit entscheidend war: die Solidarität mit der Gastronomie, die von der Coronakrise hart getroffen wird und Feuerwehren, die ihre im Frühjahr geplanten Veranstaltungen absagen mussten. „Trinkt das Bier beim Wirt und nicht im Feuerwehrhaus“, soll das Motto sein.

Feuerwehr geht wegen einem Jahr ohne Fest nicht in Konkurs

Damberger räumte ein, dass Feuerwehren gesetzlich verpflichtet seien, mithilfe von Festen Geld für Fahrzeuge und Ausrüstung zu lukrieren. Dennoch sollte es möglich sein, ein Jahr ohne solche Einnahmen zu überbrücken. „Wenn es ein Finanzloch, beispielsweise aufgrund eines Fahrzeugkaufs, geben sollte, dann sollte die betroffene Wehr das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen“, zeigte Damberger eine mögliche Lösung für Härtefälle auf. „Eine Feuerwehr geht nicht in Konkurs, wenn sie ein Jahr keine Feste macht“, betonte Damberger.

Konsum beim Wirt hilft Region doppelt

Wirtschaftskammer-Bezirksobmann Reinhart Blumberger begrüßt die Entscheidung der Feuerwehren, sich solidarisch mit den Wirten zu zeigen: „Alles, was beim Wirt konsumiert wird, hilft uns doppelt, weil dieses Geld im regionalen Kreislauf bleibt.“ Gerade in Zeiten, wo viele Leute Angst haben, seien Orte, wo man miteinander reden und für einige Zeit seine Sorgen vergessen könne, wichtig. Die Wirtshäuser seine solche Orte. „Wir müssen trotz Corona rausgehen und uns treffen, eben mit Abstandsregeln, mit dem positiven Nebeneffekt, den Konsum in der Region zu halten“, ist Blumberger überzeugt. Bezirkswirtevertreter Michael Schandl pflichtete ihm bei: „Ich würde mich freuen, wenn viele Feuerwehrleute zu uns kommen. Im Gegenzug werden wir wieder bei Festen aushelfen, wenn Not am Mann ist.“

Kein Verbot: Kommandant entscheidet

Ein absolutes Verbot von Veranstaltungen ist die Empfehlung des Bezirksfeuerwehrkommandos nicht. Die Entscheidung liegt beim jeweiligen Kommandanten. Fix abgesagt sind jedenfalls alle Bewerbe und die zugehörigen Übungen zur Vorbereitung für 2020. Eine Lockerung im Feuerwehrwesen ist jedoch in Aussicht: Ab August sollen wieder reguläre Ausbildungsmodule angeboten werden. Dies sei wichtig im Angesicht der Anfang 2021 bevorstehende Kommandowahlen: „Wir können nur dann frisches Blut in die Kommandos bringen, wenn wir Leute dazu ausbilden“, ist Damberger überzeugt.