Waidhofen: Schüler durften nicht zur Klima-Kundgebung. Der Streik fand dennoch statt, mit mehr Beteiligten als man dann gerechnet hätte.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 20. September 2019 (16:11)

Initiator Dietrich Waldmann hätte ursprünglich tausend Schüler für die Bildung einer Menschenkette von den Schulen bis zum Rathaus geplant, um Greta Thunbergs Aufforderungen zum weltweiten Klimastreik folgen zu können. Es kam anders.
Die Direktoren der Schulen zeigten sich wohlwollend, wie die Organisatoren „Parents for Future – Waldviertel“ betonen; aber nachdem man rechtlichen Rat bei höheren Stellen erfragt habe, sei die Beteiligung untersagt worden. Das erfuhr man eine Woche vor dem Streik, eine Absage kam für die Organisatoren aber nicht infrage (die NÖN berichtete).

"Entschuldigungsschreiben nicht akzeptiert"

Tatsächlich waren mehr Erwachsene als Jugendliche zu sehen.  Waldmann berichtet, dass selbst Entschuldigungsschreiben von Eltern nicht akzeptiert wurden, wenn auch nicht in allen Schulen. Die HAK ließ die Schüler mitgehen, das Poly war ebenso vertreten. Waldmann hält das Nicht-Akzeptieren jedenfalls für rechtlich bedenklich. „Wenn ich als Elternteil unterschreibe, dann kann keine einzige Verwaltungsbehörde sagen: nein“, ärgert er sich.

Die anwesenden Schüler hätten entweder bereits Unterrichtsschluss gehabt oder seien von ihren Eltern aus der Schule geholt worden. Waldmann spricht von einem Erlass, der die Schulen zum Rückzug gezwungen habe. „950 Schüler sitzen jetzt wahrscheinlich brav in der Schule anstatt fürs Klima einzutreten. Das finde ich schade“, sagte er zuvor zu den Anwesenden. Die NÖN hat die Bildungsdirektion und das Land NÖ kontaktiert, aber bisher noch niemanden erreicht. Das Bundesministerium hat am Freitag (20. September) einen Erlass verabschiedet, der eine Teilnahme beim „Earth Strike“ am kommenden Freitag ermöglicht. Man räume dem Klimaschutz einen hohen Stellenwert ein und begrüße ausdrücklich das Engagement der österreichischen Schüler.

Rückzug nicht in jeder Stadt

Blieben in jeder teilnehmenden Stadt die Schüler aus? Nein, wie sich zeigt. Die Stadt Retz (Bezirk Hollabrunn) hat innerhalb von zwei Tagen eine Kundgebung organisiert, woran sich die Volksschule mit der Direktorin und drei Klassen beteiligte. Die Kinder brachten sogar selbst gemalte Plakate mit.

In Waidhofen war man indes gespannt, wie viele überhaupt kommen werden.

Mitorganisatorin Martina Hubenstorf schätzt, dass 150 Personen letztlich vor dem Rathaus standen. „Ich hab fast mit weniger gerechnet“, sagt sie. Eine Kette wurde trotzdem gebildet, wenn auch mit weniger Beteiligten, und der Verkehr stand kurz still.

Bürgermeister Robert Altschach sperrte das Rathaus auf, damit der Fotograf die winkende Gruppe von oben knipsen konnten, und unterstütze die Kundgebung, wie auch die Polizei. Stadtrat Franz Pfabigan gesellte sich zum großen Gruppenfoto und Stadtrat Martin Litschauer ging mit der Schar mit.