Großartiges Schauspiel: Trio spielte im Dunkeln. Großartiges Schauspiel im Akademiepark bei Nacht, die einzige Lichtquelle: die Stirnlampen der Zuschauer. „Ladyglich“ inszenierte „Noir sans vous — Dunkel ohne euch“ neu.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 02. September 2019 (04:45)
Sarah Kerneza, Jennifer Gross und Miriam Kerneza nutzten den nächtlichen Akademiepark als Bühne.
Marek

Ein Rascheln im Gebüsch, die Sterne blitzen durch die Wolken, auf einer Lichtung erlebt Kommissarin Pascale Ernst (Miriam Kerneza) mysteriöse Vorgänge. Es ist dunkel, hell wird es nur dort, wo das Publikum (das mit Stirnlampen die Rolle des Beleuchters übernimmt) hinsieht — Blickwinkel 360 Grad.

Ein Konzept, dass im nächtlichen Park sehr gut aufging. Die künstlerische Fusion „Ladyglich“ rund um die Neustädterin Miriam Kerneza spielte ihr Stück „Noir sans vous“, ein französisches Krimimärchen, vergangene Woche bei Nacht im Akademiepark.

Eigentlich will die Kommissarin nur einen Mordfall aufklären, doch bei diesem Fall vermischen sich Erinnerung, Traum und die eigene Psyche großartig mehrdeutig auf hohem Niveau.

Frausein in vier Archetypen ergründen

Vier Frauenfiguren, die die Kommissarin mit Rätseln verwirren, verdeutlichen mit schrägem Charme, viel Witz, aber auch Ernsthaftigkeit verschiedene Facetten der Weiblichkeit. Es sind Figuren, die zeitweise mit der Kommissarin zu verschmelzen scheinen: die nährende Mutter (Jennifer Gross), die ungezähmte Wölfin (Sarah Kerneza) und die weise Alte (Jennifer Gross). Das Zusammenspiel der Schauspielerinnen war bestens aufeinander abgestimmt, Tanz und Poetik bewegend mit dem Stück verflochten.

Durch die Eigendynamik der Beleuchtung und die 360-Grad-Sichtweise der Zuschauer war jede der vier Vorstellungen etwas anders, spannend, aber auch schade, dass man dadurch nicht immer alles mitbekam. Die Neuinszenierung hat im Freien jedenfalls die Atmosphäre bekommen, die das Stück verdient.